Murano

Wir haben die Glasbläserinsel Murano besucht. Hierhin wurden vor ein paar hundert Jahren die Glasbläser Venedigs ausquartiert, nachdem es in Venedig mehrfach gebrannt hat. Allerdings durften die Glasbläser  Murano (das aus 5 kleinen Einzelinseln besteht) nicht verlassen – da sind wir wieder bei der Gefängnisstrafe- denn die Geheimnisse der Glasbläserkunst sollten in Murano bleiben. Murano ist ganz hübsch. Lauter kleine bunte Häuser dicht an dicht. Wir haben bei einer Glasbläservorführung zugesehen, genau wie die Heldin im Kinderreiseführer. „Leider“ bekam die Protagonistin anschließend ein just angefertigtes Einhorn aus Glas vom Glasbläser geschenkt. Tochter 1 hat nicht wirklich eingesehen, dass der Glasbläser zwar ein Pferdchen gemacht hat, aber keine Anstalten machte, dies zu verschenken.

Aber vielleicht kleine Glasplättchen? Die, aus denen die typischen Muraner Schälchen gemacht werden? Die hätte Tochter 1 auch so gern. Der grummelige Chef wies uns darauf hin, dass diese echt teuer wären und nur im Kilo gehandelt würden. Also auch nicht. Oder doch? Der nette Signor an der Kasse winkte uns zu sich, sagte „mach mal die Hand auf“ und ließ ein paar Steinchen reinrieseln. Der Tag war gerettet. („But don´t tell the boss!“)

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Acqua Alta

Kinder lieben Pfützen. Reinspringen, dass es nur so platscht und das Wasser aus den Gummistiefeln wieder rausläuft. Das hatten wir hier in Groß: Acqua Alta! Ok, es geht noch deutlich höher, aber für Tochter 1 war die Höhe Oberkante-Gummstiefel auf dem Markusplatz perfekt. Und das bei herrlichem Sonnenschein.

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Die Stühle der ansässigen Cafés standen unter Wasser, doch die Musiker spielten völlig unbeeindruckt weiter, während die fliegenden Händler eine Kreuzung aus Plastiktüte und Gummistiefel feil boten. Merkwürdig, dass ich noch nie bei Hochwasser mit Tochter 1 am Hamburger Fischmarkt war. Auf solche Ideen kommt man wohl nur in der Ferne. Zu Fuß dann weiter über die Seufzerbrücke, die so heißt, weil sie vom Gericht zum Gefängnis führte, und die Verurteilten sehr geseufzt haben. Tochter 1 hat das Thema Gefängnis sehr beschäftigt, zumal mein Mann ihr was von Wasser und Brot erzählt hat. In der Nacht hat sie nicht gut geschlafen. Hmm, ob sie was angestellt hat? 😉

Zu Tisch!

Angenommen, man müsste sich für das Essen eines Landes entscheiden, das es von nun an ausschließlich gibt – meine Wahl würde ohne Zweifel auf das italienische Essen fallen. Pizza, Pasta, frischer Fisch, leckere Fleischgerichte und erst die Nachspeisen, keine Frage! Allerdings sind wir in Hamburg auch was die italienische Küche angeht, sehr verwöhnt. (Viele Grüße an Familie Calfa von der Bottega Italia!)

Auch hier in Venedig sind wir stets auf der Suche nach gutem, typischen Essen. Je näher man an den Markusplatz kommt, desto mehr reihen sich Restaurants an Souvenirläden, immer abwechselnd Pasta und venezianische Masken „made in China“. Vor den Restaurants stehen Kellner Spalier und versuchen, die Touristen abzufangen. Speisekarten gibt es in allen erdenklichen Sprachen, die Übersetzungen lassen einen bestenfalls belustigt, in aller Regel jedenfalls ratlos.

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Das Essen in den Touristen-Nepp-Restaurants ist einfallslos und trägt sicherlich der Tatsache Rechnung, dass die meisten Touristen nur wenige Tage hier verbringen und sowieso nicht wiederkommen. So betrachten wir das von unserer Vermieterin empfohlene Fischrestaurant als angenehme Ausnahme. Ansonsten kochen wir (also mein Mann) sehr lecker selbst nach einem Kochbuch mit typisch venezianischen Gerichten und kleinen Geschichten um Commissario Brunetti – wobei es eine besondere Kunst ist, das Essen richtig gegart hinzubekommen, wenn die Sicherung beim Kochen mehrfach rausspringt.

Casanova

Wir haben Besuch, meine 13-jährige Patentochter ist für fünf Tage bei uns! Und gemeinsam mit ihr machen Tochter 1 und ich nun typische Touristendinge, während mein Mann mit der Kleinen den Alltag mit einkaufen, Windeln wechseln etc. am Laufen hält. Heute haben wir eine Gondelfahrt gemacht. Klischee pur. Trotzdem herrlich.

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Unser Gondoliere hat viel erzählt (Casanova war unser Nachbar!) und versucht, Vivaldi-Melodien zu trällern. Tochter 1 hat lautstark mit Volksliedern dagegen gehalten. Auf dem Nachhauseweg wollte sie dann alles über Casanova wissen. Nach einigem Nachdenken sagte sie: „Mama, also ich werde den Casanova nicht heiraten, da kann er noch so nett sein. Das ist ja ein richtiger Ganove. Und wenn du den heiratest, also wenn Papa Casanova ist, möchte ich nicht auf seiner Schulter sitzen. Sowieso ist mein Papa viel stärker als Casanova.“

Der Markuslöwe und ein kleiner Aufruf…

Der Markuslöwe ist das Wahrzeichen von Venedig. Und die Venezianer zeigen Lokalpatriotismus: überall ist der Löwe zu sehen. Auf Fahnen im Fenster, als Türklopfer, Klingelknopf oder als Relief in der Hauswand. Tochter 1 und mein Mann haben gemeinsam eine Fototour durch die Sestiere gemacht und Löwen fotografiert.

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Wovon es hier ebenfalls viele gibt – ok, nicht ganz so viel wie die Löwen – sind Kirchen. Jede noch so kleine Insel hat eine eigene Kirche, häufig mit imposanten Gemälden alter Meister. Vor einigen Tagen sahen wir eine wunderschöne Braut mit vier Blumenmädchen auf dem Weg zur Kirche.

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Tochter 1 war ganz aufgeregt und wäre am liebsten mit in die Kirche geschlüpft. Sie wäre auch so gern mal Blumenmädchen. „Mama, das muss ich unbedingt!“ Ich musste ihr versprechen, im Freundeskreis mal zu fragen, wer demnächst heiratet und ob sie Blumenmädchen sein könnte. Also, liebe Freunde…

Auf dem Markusplatz

Wir ziehen durch die Straßen und lassen uns treiben, bis wir beim Markusplatz ankommen, der ist wirklich beeindruckend. Leider ist die Warteschlage zur der Basilica di San Marco etwa 300 Meter lang, so dass wir die Besichtigung auf einen anderen Tag verschieben. Nun stehen wir also mitten auf dem Platz und betrachten die (Imitationen der) 4 Pferde aus vergoldeter Bronze auf dem Balkon der Basilica. Die Originale der Pferde, die mehr als 2000 Jahre alt sein sollen, mehrfach gestohlen wurden (so standen sie eine zeitlang in Frankreich), zu Kriegszeiten versteckt waren, aber auch an Museen verliehen wurden, stehen in der Basilica.
Im Außenbereich des Café Florian spielt das Salonorchester italienische Melodien, Stühle laden zum Verweilen ein, die Preise (Capucchino für 12 Euro plus 6 Euro pro Person nur für´s Sitzen) arbeiten stark dagegen.
Der Platz ist überfüllt von Tauben und Touristen, letztere halten Vogelfutter in den Händen und füttern erstere und lassen sich dabei fotografieren. Auf die Idee käme in Hamburg keiner. Tochter 1 tanzt zu der Musik. Eine Horde Touristen aus dem Land, das man klischeehaft mit „20 Städten in 2 Tagen“ und Dauerfotografiererei verbindet, stürmt auf Tochter 1 zu, kneift ihr in die Wangen und beginnt wie wild, sie zu fotografieren. Weil sie so süß und so blond ist.

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Tochter 1 findet das ziemlich doof und versteckt sich hinter dem Kinderwagen von Tochter 2. Die Touristen gehen also wieder dazu über, die Sehenswürdigkeiten zu knipsen, alle bewaffnet mit einem Selfie-Stick, einer langen Stange, in die man das telefonino einspannt und suuuper Selfies machen kann. Was in den 90ern die Nikon um den Hals war, ist heute wohl der Selfie-Stick am ausgestreckten Arm. Cheeeeese!

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Alltag in Venedig

Tochter 1 wird immer selbständiger. Herrlich! Während wir den Frühstückstisch decken, geht sie morgens allein zum Bäcker und kauft panini für uns. Und jedes Mal kommt sie mit einem stolzen Grinsen und einem Schokokeks zurück. Als Kontrastprogramm zum dolce vita hört sie fleißig die CDs von Ferien auf Saltkrokan, wir sollen sie jetzt Målin nennen.

Wir leben uns immer mehr ein, kennen schon ein paar Nachbarn. Über uns wohnt eine ältere Dame, unter uns ist ein Handwerksbetrieb, gegenüber eine Trattoria, nebenan ein Blumenladen. Die Nachbarn grüßen herzlich, was aber wohl – da machen wir uns nichts vor – hauptsächlich an unseren 2 Mädels liegen wird, denn die Venezianer lieben Kinder.
Aufgrund der Touristenmassen hier, droht Venedig stets, im Müll zu versinken. Wie fleißige Ameisen sind hier Putzkolonnen im Dauereinsatz. Müll wird strikt getrennt, täglich zwischen 6 und 8 Uhr morgens abgeholt, und wer seinen Müll am Abend vorher schon raus stellt, riskiert empfindliche Strafen. Weil in den Wohnungen meist zu wenig Platz ist, um den Müll zu lagern, hängen viele Venezianer ihre Müllbeutel ans Fenster. So auch die ältere Dame über uns. Morgens heißt es dann Attenzione!, denn die Dame lässt ihren Müllbeutel einfach auf die Straße fallen, und zwar ohne vorher zu überprüfen, ob da gerade jemand geht oder steht. Beim ersten Mal mussten wir zur Seite springen, jetzt wissen wir halt Bescheid.

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