Landleben

Tochter 2 schläft für ihre 5 Monate wirklich gut. Einmal in der Nacht wird sie wach, trinkt was, wird gewickelt und schläft dann meist schnell wieder ein. Heute nacht weckte sie uns gegen vier Uhr. Draußen war es noch stockfinster. Wir machten das Licht an. Trinken, neue Windel. Licht aus. Dann ging es los: Etwas krächzend, als hätte er gestern Abend etwas zu tief ins Glas geschaut, begann der erste Hahn seinen Weckruf. Nach und nach stimmten in verschiedenen Tonlagen seine Kollegen – etwa zehn an der Zahl – mit ein. Ja, ja, hier kann uns zwar kein Nachbar ins Schlafzimmer schauen, die Hühnergehe sind allerdings direkt gegenüber. Tochter 2 schlief mittlerweile wieder fest. Ich war wach. So ein Hahn-Wecker funktioniert wirklich gut.

Tagsüber hatte Tochter 1 dann ihre allererste Reitstunde, ohne dass jemand das Pony führte. Lange hatte sie diese herbeigesehnt und saß nun wie ein stolzes kleines Cowgirl auf dem Pony. Ich habe lange überlegt, ob ich es auch wagen soll, mich auf ein Pferd zu setzen. Wie so viele Mädchen bin ich früher geritten, saß aber locker 15 Jahre nicht mehr im Sattel. Wie würde es sein? Gehört Reiten zu den Sachen, die man nicht verlernt, wie Fahrradfahren? Oder fällt es doch eher in die Kategorie der Hula-Hoop-Reifen, die sich die Eltern, die neu beim Kinderturnen sind, in Erinnerung an ihre Kindheit schnappen, und dann gnadenlos scheitern, wenn der Reifen „plopp“ einfach an ihnen herunterrutscht? Ersatzweise seien hier Reckstangen auf dem Spielplatz genannt, an denen Eltern ihren Kindern einen Aufschwung zeigen wollen, oder auch der bloße Versuch, ein Rad zu schlagen.
Kurz und gut: ich hab´s gewagt. Und es ging noch. Okay, das Pferd war eher gemütlicher Natur und musste ordentlich angetrieben werden. Aber es klappte.

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Da habe ich mich gefreut. Tochter 1 hat sich gefreut, wie gut es bei ihr ging. Aber am meisten hat sich wohl mein Mann gefreut, als ich ihm sagte, dass ich zwar gern mal reite, ein eigenes Pferd zu aufwendig sei, wenn wir wieder zurück in unserem kleinen Bahnhofsviertel sind.

Herbst in der Toskana

Nach einem frühmorgendlichen Aufbruch in Venedig sind wir nach knapp vierstündiger Autofahrt bei unserem nächsten Ziel angekommen, einem kleinen Agriturismo in der Nähe von Florenz. Es ist in vielerlei Hinsicht das totale Kontrastprogramm zu Venedig: während Venedig autofrei und voller Touristen ist, und das nächste Restaurant direkt im Nachbarhaus war, sind wir hier in den Bergen – mit vielen Tieren, aber wenig Menschen und zum nächsten Supermarkt fährt man zwanzig Minuten mit dem Auto. Tochter 1 genießt auch hier die Selbständigkeit, geht alleine zu den Ställen und schaut sich die Tiere an. Gestern hat sie auf einem Pony einen geführten Ausritt gemacht, selbstverständlich nachdem sie vorher das Schnitzel-Pony (es sah nach einem Matsch-Bad ziemlich paniert aus) geputzt hatte.

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Aber verliebt hat sie sich in den Haus-und-Hof-Hund „Dingo“, ein Schäferhundmischling, der einem Pony in der Größe in Nichts nachsteht.
Abends kocht Antonella, die Chefin hier, für alle Gäste ein typisch italienisches Abendessen. Alle sitzen beim offenen Kaminfeuer zusammen an einer langen Holztafel, alle sprechen durcheinander, wir sind die einzigen Nicht-Italiener. Die Lautstärke ist genau so, wie man es aus italienischen Filmen kennt. Das Essen ist fabelhaft. Und oppulent. Bruschetta vorweg, dann Pasta, dann Fleisch und Gemüse, dann noch Dolci. Wo lassen die Italiener das bloß? Ich habe mir als Maßnahme gegen das Hüftgold ein Pilates-Programm auf das Handy geladen, aber Anweisungen wie „Arme entlang des Körpers, Beine leicht prisognuty“ lassen mich sprachlos und trainieren allenfalls meine Lachmuskeln…

Arrivederci Venezia

2014-10-26_16-59-59-Bearbeitet

So schnell ist ein Monat vorbei und heute ist unser letzter Abend in Venedig. Unsere süße Wohnung in Canareggio ist unser Zuhause geworden, Roberta, unsere Vermieterin, ein gute Freundin. Die Nachbarn grüßen, der Bäcker weiß genau, welche Brötchen wir möchten, und wir haben ein Stammlokal. Nun ziehen wir weiter gen Süden – mit einer Träne im Auge, aber auch in freudiger Erwartung auf unsere nächsten Stationen. Arrivederci Venezia, wir sehen uns sicher wieder!

Für alle, die gern mal (auch mit Kindern) nach Venedig reisen wollen, habe ich ein paar Reisetipps zusammengestellt.

Tipps für eine Reise nach Venedig mit Kindern

2014-10-31_15-16-58-Bearbeitet

Reiseliteratur:
Wir haben mit Tochter 1 „Lavendel in Venedig“ gelesen, ein schöner Kinderreiseführer, geschrieben aus der Sicht eines Mädchens, das mit seinem Vater nach Venedig reist. Das Buch ist schon etwas älter, schadet aber nicht. Auch schön: „This is Venice„, das Original ist aus den 60er Jahren mit wundervollen Bildern, die Texte sind auf Englisch.

Einpacken:
Nur das Nötigste, denn wenn man nicht eines der teuren Wassertaxis nehmen möchte, muss man seine Sachen alle selbst bis zum Hotel/zur Wohnung tragen. Achtung: die Brücken hier sind – mit wenigen Ausnahmen – mit Treppenstufen!

Übernachten:
Es gibt unzählige Hotels. Für alle die, die länger bleiben, bieten sich auch möblierte Wohnungen an, z.B. über airbnb oder fewo-direkt. Ein hübsches, kleines Hotel, in dem in den Zimmern auch Platz für Reisende mit Kindern (separates Schlafzimmer!) ist das Oltre il Giardino in San Polo. Nicht günstig, aber toll. Wir waren da auf Hochzeitsreise.

Anreise:
Flugzeug: Wer mit dem Flugzeug kommt (easyjet und Germanwings bieten z.B. günstige Direktflüge ab HH), fährt anschließend am besten vom Flughafen Marco Polo mit einem Alilaguna-Boot weiter bis zu einer der Haupt-Vaporetto-Stationen (z.B. San Marco, Fondamente Nove und Rialto). Das Ticket Hin-und-Rück kostet knapp 30 Euro.
Auto: Wer mit dem Auto kommt, sollte dies entweder in Mestre (dann geht es mit dem Bus bis zur Piazzale Roma von wo aus die Vaporetti fahren) oder am Flughafen lassen (dann kommen noch die Alilaguna-Kosten hinzu). Die Parkhäuser am Piazzale Roma sind unverschämt teuer! (ca. 30 Euro/Tag), zumal man in letzteren meist die Autoschlüssel abgeben muss.
Bahn: Wer mit der Bahn kommt (z.B. mit dem Nachtzug von München), kann ab dem Bahnhof (Ferrovia) direkt mit dem Vaporetto weiterfahren.

Von A nach B:
Mit den Vaporetti des ACTV: hier gibt es auch Tages- (20 Euro), 2-Tages- (30 Euro) oder 3-Tages- (40 Euro) oder sogar Wochenkarten (60 Euro).
Mit dem Traghetto (einer großen Gondel, in der man stehen muss) lässt sich der Canal Grande an einigen Stellen überqueren, 2 Euro je Überquerung. Die „Stationen“ sind in den Stadtplänen verzeichnet. Einen Kinderwagen kann man im Traghetto allerdings schlecht mitnehmen.
Mit dem Wassertaxi: die wohl teuerste Möglichkeit

Touristisches:
Museen/Kirchen: Lange Museumsgänge sind mit Kindern ja meist schwierig, zu empfehlen sind dennoch der Markusdom und der Dogenpalast. Der Markusplatz ist ein Muss (vor allem bei Acqua Alta) -aber nicht unbedingt alles hintereinander weg.
Stadtführungen: Tolle Führungen in Kleingruppen (auch zu Spezialthemen) sowie private Führungen bietet walksinsidevenice. Dort gibt es auch Führungen für Kinder mit Fahrt auf dem Canal Grande und Eis-Tasting.
Ausflüge: Schön ist eine Fahrt nach Murano um den Gläsbläsern zusehen, auch toll ein Besuch der wunderhübschen, bunten Insel Burano. Diese Ausflüge kann man gut verbinden.
Gondelfahrt: Die Fahrt in einer Gondel ist toll – für Erwachsene und für Kinder- , schlägt mit 80 Euro für 30 Minuten aber ordentlich zu Buche.
Musik: Wenn die Kinder Musik lieben: das hübsche Palazzetto Bru Zane bietet einmal im Monat Familienkonzerte an.
Kunst: Alle 2 Jahre findet in Venedig die Biennale statt – das nächste Mal 2015. Hier gibt es spezielle Führungen für Familien mit Kindern.
Karneval: Fast alle Kinder lieben Karneval. Wer mit seinen Kindern zur Karnevalzeit nach Venedig reist, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass die sonst schon sehr volle Stadt nun aus allen Nähten platzt. Straßenzüge werden Teilweise zu Einbahnstraßen (und hier gehen ja nur alle zu Fuß) erklärt, damit ein Vorankommen überhaupt nötig ist. Wer sich auf den Trubel einlässt, kann sich über eine Stadt voller Verkleideter Menschen, Plätze voller Gaukler, Musikanten und Zauberer und ein buntes Unterhaltungsprogramm – auch für Kinder – freuen. Die genauen Daten und das Programm findet man hier.

Spielplätze:
Venezianische Kinder spielen hauptsächlich auf den Campi hier, den großen Plätzen. Es gibt aber auch einige wenige Spielplätze. Unser Favorit: Sant´ Elena, direkt hinter der gleichnamigen Vaporetto-Station. Der Spielplatz bei der Biennale ist eher was für kleinere Kinder, ebenso wie der Spielplatz im Parco Sauvignan.
Für alle die länger bleiben: in Dorsoduro gibt es eine Sprachschule für Kinder, die auch italienischen Kindern deutsch beibringt. Die Mütter treffen sich regelmäßig mit den Kindern auf verschiedenen Spielplätzen.

Strand:
Bei schönem Wetter mit dem Vaporetto bis Lido. Die öffentlichen Strände sind links.

Babykram:
Windeln und weiteres Wickelequipment gibt´s in den Supermärkten und Drogerien, Milchpulver, Gläschen etc. in Apotheken und auch in einigen Supermärkten, am meisten vertreten sind hier Billa und Coop. Eine größere Drogerie ist in der strada nuova zu finden. Bekleidungsgeschäfte für Kindermode gibt es in Venedig fast an jeder Straßenecke. Wer größere Sachen wie ein Babybett, Kinderroller etc. benötigt, wird auch im Second Hand-Shop für Kindersachen fündig. Zum Teil verleihen sie dort auch Babybetten, ebenfalls vermitteln sie (italienischsprachige) Babysitter.

Essengehen:
in den meisten Restaurants zahlt man für´s Gedeck, z.T. auch noch einen Serviceaufschlag. Kinder zahlen in der Regel nichts.
Achtung: Apfelsaft ist hier in den Restaurants meist leuchtend grün und schmeckt wie Brausepulver.

Ein Espresso für die Eltern:
Heißt hier nur caffè und kostet am Tresen deutlich weniger, als wenn man sich in der Bar hinsetzt. In der Regel ca. 1,10 Euro. Gutes Beispiel ist hier ein Café direkt am Markusplatz: der Espresso am Tresen kostet 1,50 Euro, wenn man drinnen sitzt 4,50 Euro und wenn man draußen sitzt und der Musik lauscht geschlagene 10 Euro.

Zum Arzt:
Eine Liste deutschsprachiger Ärzte gibt es hier. Diese müssen allerdings privat bezahlt werden. Eine Alternative ist der Besuch im Krankenhaus, der zumindest teilweise über die deutsche Krankenversicherung abgerechnet werden kann.

Ansonsten: Venedig ist großartig! Gute Reise und viel Spaß!

(zuletzt aktualisiert: 27.02.2015)

Verständigung

Kinder verstehen sich fabelhaft ohne Worte. Sie stehen zusammen auf dem Spielplatz,jedes redet in seiner Sprache auf die anderen ein und sie spielen ganz hervorragend. Fangen oder verstecken. Was auch immer. Das ist bei uns Erwachsenen ja nicht immer der Fall.

Am Sonntag wollte Tochter 1 unbedingt in die Kirche gehen und sich ansehen, wie ein Gottesdienst hier so abläuft. Wir machten uns auf den Weg in die Basilika San Marco.

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Das hatte den Vorteil, dass ich mir die wunderschönen Gold-Decken der Basilika noch Mal ansehen konnte, ohne vorher anstehen zu müssen (und mich von Touris mit ihren Fotoapparaten schubsen zu lassen). Wir hatten Glück und ergatterten Plätze in der ersten Reihe, also fast beim Pfarrer auf dem Schoß. Als die Orgel anfing, fragte Tochter 1, mit der wir in Hamburg hauptsächlich den Familiengottesdienst besuchen „Und wann kommen die Drachenkälber?“ – so heißt der Kinderchor in unserer Heimatgemeinde. Die Enttäuschung war groß, als „nur“ ein wirklich hervorragender Erwachsenenchor sang. Die Lesung und die anderen Sachen, die der Pfarrer dann sprach, verstanden wir nicht. Mein Italienisch wird zwar langsam besser, beschränkt sich aber bislang eher auf den Einkauf alltäglicher Dinge – also verhungern werden wir nicht – und den Austausch von Freundlichkeiten. Tochter 1 fing an sich zu langweilen und rutschte auf ihrem Stuhl herum. Aber wir hatten Glück, denn neben uns saß ein Mexikaner. Der übersetze mir nun die Lesung ins Spanische und ich übersetzte weiter für Tochter 1 ins Deutsche. Tochter 1 hielt die ganze Messe durch!
Auf dem Nachhauseweg kamen wir an einer Drogerie vorbei. Das passte gut, denn ich hatte äußerst erfolgreich ein Billig-Taschentuch mit der dunklen Wäsche gewaschen und über alle Teile legte sich jetzt ein weißer Taschentuch-Flaum. Eine Fusselbürste musste her. Leider wußte leo keine Übersetzung und der Herr hinterm Tresen, der auf die achtzig zuging, konnte kein Englisch. Also versuchte ich ihm zu erklären, dass ich Taschentücher (fazzoletti) in der Maschine gewaschen habe. Leider bedeutet das von mir verwendete „macchina“ jedoch nicht Maschine im Sinne von Waschmaschine, sondern Auto. So dass ich dem Herrn lang und breit erklärte, ich hätte Taschentücher im Auto gewaschen. Er sah mich äußerst verwirrt an. Zum Glück war der Laden so klein, dass er die Sachen, die Touristen häufiger mal brauchen, an der Kasse aufgehängt hatte. Und so entdeckte Tochter 1 eine Klebe-Fusselrolle, mit der sie nun – nachdem ich mich der Wäsche angenommen hatte – in der ganzen Wohnung die Sofas und Bettdecken bearbeitet.