Arrivederci Venezia

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So schnell ist ein Monat vorbei und heute ist unser letzter Abend in Venedig. Unsere süße Wohnung in Canareggio ist unser Zuhause geworden, Roberta, unsere Vermieterin, ein gute Freundin. Die Nachbarn grüßen, der Bäcker weiß genau, welche Brötchen wir möchten, und wir haben ein Stammlokal. Nun ziehen wir weiter gen Süden – mit einer Träne im Auge, aber auch in freudiger Erwartung auf unsere nächsten Stationen. Arrivederci Venezia, wir sehen uns sicher wieder!

Für alle, die gern mal (auch mit Kindern) nach Venedig reisen wollen, habe ich ein paar Reisetipps zusammengestellt.

Tipps für eine Reise nach Venedig mit Kindern

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Reiseliteratur:
Wir haben mit Tochter 1 „Lavendel in Venedig“ gelesen, ein schöner Kinderreiseführer, geschrieben aus der Sicht eines Mädchens, das mit seinem Vater nach Venedig reist. Das Buch ist schon etwas älter, schadet aber nicht. Auch schön: „This is Venice„, das Original ist aus den 60er Jahren mit wundervollen Bildern, die Texte sind auf Englisch.

Einpacken:
Nur das Nötigste, denn wenn man nicht eines der teuren Wassertaxis nehmen möchte, muss man seine Sachen alle selbst bis zum Hotel/zur Wohnung tragen. Achtung: die Brücken hier sind – mit wenigen Ausnahmen – mit Treppenstufen!

Übernachten:
Es gibt unzählige Hotels. Für alle die, die länger bleiben, bieten sich auch möblierte Wohnungen an, z.B. über airbnb oder fewo-direkt. Ein hübsches, kleines Hotel, in dem in den Zimmern auch Platz für Reisende mit Kindern (separates Schlafzimmer!) ist das Oltre il Giardino in San Polo. Nicht günstig, aber toll. Wir waren da auf Hochzeitsreise.

Anreise:
Flugzeug: Wer mit dem Flugzeug kommt (easyjet und Germanwings bieten z.B. günstige Direktflüge ab HH), fährt anschließend am besten vom Flughafen Marco Polo mit einem Alilaguna-Boot weiter bis zu einer der Haupt-Vaporetto-Stationen (z.B. San Marco, Fondamente Nove und Rialto). Das Ticket Hin-und-Rück kostet knapp 30 Euro.
Auto: Wer mit dem Auto kommt, sollte dies entweder in Mestre (dann geht es mit dem Bus bis zur Piazzale Roma von wo aus die Vaporetti fahren) oder am Flughafen lassen (dann kommen noch die Alilaguna-Kosten hinzu). Die Parkhäuser am Piazzale Roma sind unverschämt teuer! (ca. 30 Euro/Tag), zumal man in letzteren meist die Autoschlüssel abgeben muss.
Bahn: Wer mit der Bahn kommt (z.B. mit dem Nachtzug von München), kann ab dem Bahnhof (Ferrovia) direkt mit dem Vaporetto weiterfahren.

Von A nach B:
Mit den Vaporetti des ACTV: hier gibt es auch Tages- (20 Euro), 2-Tages- (30 Euro) oder 3-Tages- (40 Euro) oder sogar Wochenkarten (60 Euro).
Mit dem Traghetto (einer großen Gondel, in der man stehen muss) lässt sich der Canal Grande an einigen Stellen überqueren, 2 Euro je Überquerung. Die „Stationen“ sind in den Stadtplänen verzeichnet. Einen Kinderwagen kann man im Traghetto allerdings schlecht mitnehmen.
Mit dem Wassertaxi: die wohl teuerste Möglichkeit

Touristisches:
Museen/Kirchen: Lange Museumsgänge sind mit Kindern ja meist schwierig, zu empfehlen sind dennoch der Markusdom und der Dogenpalast. Der Markusplatz ist ein Muss (vor allem bei Acqua Alta) -aber nicht unbedingt alles hintereinander weg.
Stadtführungen: Tolle Führungen in Kleingruppen (auch zu Spezialthemen) sowie private Führungen bietet walksinsidevenice. Dort gibt es auch Führungen für Kinder mit Fahrt auf dem Canal Grande und Eis-Tasting.
Ausflüge: Schön ist eine Fahrt nach Murano um den Gläsbläsern zusehen, auch toll ein Besuch der wunderhübschen, bunten Insel Burano. Diese Ausflüge kann man gut verbinden.
Gondelfahrt: Die Fahrt in einer Gondel ist toll – für Erwachsene und für Kinder- , schlägt mit 80 Euro für 30 Minuten aber ordentlich zu Buche.
Musik: Wenn die Kinder Musik lieben: das hübsche Palazzetto Bru Zane bietet einmal im Monat Familienkonzerte an.
Kunst: Alle 2 Jahre findet in Venedig die Biennale statt – das nächste Mal 2015. Hier gibt es spezielle Führungen für Familien mit Kindern.
Karneval: Fast alle Kinder lieben Karneval. Wer mit seinen Kindern zur Karnevalzeit nach Venedig reist, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass die sonst schon sehr volle Stadt nun aus allen Nähten platzt. Straßenzüge werden Teilweise zu Einbahnstraßen (und hier gehen ja nur alle zu Fuß) erklärt, damit ein Vorankommen überhaupt nötig ist. Wer sich auf den Trubel einlässt, kann sich über eine Stadt voller Verkleideter Menschen, Plätze voller Gaukler, Musikanten und Zauberer und ein buntes Unterhaltungsprogramm – auch für Kinder – freuen. Die genauen Daten und das Programm findet man hier.

Spielplätze:
Venezianische Kinder spielen hauptsächlich auf den Campi hier, den großen Plätzen. Es gibt aber auch einige wenige Spielplätze. Unser Favorit: Sant´ Elena, direkt hinter der gleichnamigen Vaporetto-Station. Der Spielplatz bei der Biennale ist eher was für kleinere Kinder, ebenso wie der Spielplatz im Parco Sauvignan.
Für alle die länger bleiben: in Dorsoduro gibt es eine Sprachschule für Kinder, die auch italienischen Kindern deutsch beibringt. Die Mütter treffen sich regelmäßig mit den Kindern auf verschiedenen Spielplätzen.

Strand:
Bei schönem Wetter mit dem Vaporetto bis Lido. Die öffentlichen Strände sind links.

Babykram:
Windeln und weiteres Wickelequipment gibt´s in den Supermärkten und Drogerien, Milchpulver, Gläschen etc. in Apotheken und auch in einigen Supermärkten, am meisten vertreten sind hier Billa und Coop. Eine größere Drogerie ist in der strada nuova zu finden. Bekleidungsgeschäfte für Kindermode gibt es in Venedig fast an jeder Straßenecke. Wer größere Sachen wie ein Babybett, Kinderroller etc. benötigt, wird auch im Second Hand-Shop für Kindersachen fündig. Zum Teil verleihen sie dort auch Babybetten, ebenfalls vermitteln sie (italienischsprachige) Babysitter.

Essengehen:
in den meisten Restaurants zahlt man für´s Gedeck, z.T. auch noch einen Serviceaufschlag. Kinder zahlen in der Regel nichts.
Achtung: Apfelsaft ist hier in den Restaurants meist leuchtend grün und schmeckt wie Brausepulver.

Ein Espresso für die Eltern:
Heißt hier nur caffè und kostet am Tresen deutlich weniger, als wenn man sich in der Bar hinsetzt. In der Regel ca. 1,10 Euro. Gutes Beispiel ist hier ein Café direkt am Markusplatz: der Espresso am Tresen kostet 1,50 Euro, wenn man drinnen sitzt 4,50 Euro und wenn man draußen sitzt und der Musik lauscht geschlagene 10 Euro.

Zum Arzt:
Eine Liste deutschsprachiger Ärzte gibt es hier. Diese müssen allerdings privat bezahlt werden. Eine Alternative ist der Besuch im Krankenhaus, der zumindest teilweise über die deutsche Krankenversicherung abgerechnet werden kann.

Ansonsten: Venedig ist großartig! Gute Reise und viel Spaß!

(zuletzt aktualisiert: 27.02.2015)

Verständigung

Kinder verstehen sich fabelhaft ohne Worte. Sie stehen zusammen auf dem Spielplatz,jedes redet in seiner Sprache auf die anderen ein und sie spielen ganz hervorragend. Fangen oder verstecken. Was auch immer. Das ist bei uns Erwachsenen ja nicht immer der Fall.

Am Sonntag wollte Tochter 1 unbedingt in die Kirche gehen und sich ansehen, wie ein Gottesdienst hier so abläuft. Wir machten uns auf den Weg in die Basilika San Marco.

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Das hatte den Vorteil, dass ich mir die wunderschönen Gold-Decken der Basilika noch Mal ansehen konnte, ohne vorher anstehen zu müssen (und mich von Touris mit ihren Fotoapparaten schubsen zu lassen). Wir hatten Glück und ergatterten Plätze in der ersten Reihe, also fast beim Pfarrer auf dem Schoß. Als die Orgel anfing, fragte Tochter 1, mit der wir in Hamburg hauptsächlich den Familiengottesdienst besuchen „Und wann kommen die Drachenkälber?“ – so heißt der Kinderchor in unserer Heimatgemeinde. Die Enttäuschung war groß, als „nur“ ein wirklich hervorragender Erwachsenenchor sang. Die Lesung und die anderen Sachen, die der Pfarrer dann sprach, verstanden wir nicht. Mein Italienisch wird zwar langsam besser, beschränkt sich aber bislang eher auf den Einkauf alltäglicher Dinge – also verhungern werden wir nicht – und den Austausch von Freundlichkeiten. Tochter 1 fing an sich zu langweilen und rutschte auf ihrem Stuhl herum. Aber wir hatten Glück, denn neben uns saß ein Mexikaner. Der übersetze mir nun die Lesung ins Spanische und ich übersetzte weiter für Tochter 1 ins Deutsche. Tochter 1 hielt die ganze Messe durch!
Auf dem Nachhauseweg kamen wir an einer Drogerie vorbei. Das passte gut, denn ich hatte äußerst erfolgreich ein Billig-Taschentuch mit der dunklen Wäsche gewaschen und über alle Teile legte sich jetzt ein weißer Taschentuch-Flaum. Eine Fusselbürste musste her. Leider wußte leo keine Übersetzung und der Herr hinterm Tresen, der auf die achtzig zuging, konnte kein Englisch. Also versuchte ich ihm zu erklären, dass ich Taschentücher (fazzoletti) in der Maschine gewaschen habe. Leider bedeutet das von mir verwendete „macchina“ jedoch nicht Maschine im Sinne von Waschmaschine, sondern Auto. So dass ich dem Herrn lang und breit erklärte, ich hätte Taschentücher im Auto gewaschen. Er sah mich äußerst verwirrt an. Zum Glück war der Laden so klein, dass er die Sachen, die Touristen häufiger mal brauchen, an der Kasse aufgehängt hatte. Und so entdeckte Tochter 1 eine Klebe-Fusselrolle, mit der sie nun – nachdem ich mich der Wäsche angenommen hatte – in der ganzen Wohnung die Sofas und Bettdecken bearbeitet.

Burano

Vor ein paar Tagen waren wir abends mit unserer Vermieterin essen, die in Venedig private Stadtführungen anbietet. Sie liebt ihr Venedig und hat immer tolle Tipps. Nun empfahl sie uns einen Besuch in Burano. Burano? Laut unserem lonely planet ist Burano bekannt für Spitzendeckchen. Da sind wir – mit Verlaub – wohl nicht die richtige Zielgruppe, so ganz ohne Schrankwand aus deutscher Eiche. Nun war aber Samstag, herrlichstes Wetter und nur wer total von Sinnen oder nur für kurze Zeit in Venedig ist, geht am Samstag Richtung Markusplatz oder Rialtobrücke, da dies einer Touristenpolonaise gleichkommt – an der möchte man nicht teilnehmen. Schon gar nicht mit Kinderwagen. So machten wir uns spontan doch auf den Weg zum Vaporetto Richtung Burano. Da werden wohl am Samstag kaum Touristen hinfahren? Der Durchschnittstourist ist ja nur 5 Stunden in Venedig, die anderen allenfalls ein Wochenende. Weit gefehlt. Als wir die Schlange beim Vaporetto sahen, wollten wir schon wieder umdrehen, wurden jedoch von den Massen aus amerikanischen, asiatischen und deutschen Touristen weiter aufs Boot getrieben. Letztere erkennt man leider immer sofort. Klettverschluss-Sandalen, weiße Socken und – beware of the pickpockets – den Rucksack vorn tragend. Und alle schubsend und drängelnd, so eine 40-minütige Vaporetto-Fahrt kann schon lang dauern, wenn das Baby schreit.
Und dann endlich Burano. Und das entschädigte uns alle. Das Baby, weil es endlich in der Karre schlafen konnte, Tochter 1, weil sie sofort einen Spielplatz entdeckte, und uns, weil Burano einfach total süß ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Burano sieht aus wie eine Bonbonpackung. Kleine Häuschen in allen erdenklichen Bonbon-Farben, ein fürchterlich schiefer Kirchturm und ja, ein paar Läden mit Spitzendeckchen, aber auch andere nette Geschäfte.

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Allein der Anblick dieses kleinen Städtchens bei strahlend blauem Himmel machte gute Laune. Und der Aperol Spritz und das wirklich leckere Essen im Restaurant vor Ort steigerten die noch. Und mit dieser positiven Energie gestärkt konnten wir auch das „ich-bekomme-Zähne-Gebrüll“ auf der Rückfahrt locker nehmen.