Die italienische Post, die 2te

Meine (Liebes-)Beziehung zur italienischen Post geht in eine neue Runde. Oder sollte ich besser sagen, die Leidensgeschichte? Weihnachten ist vorbei, das neue Jahr steht vor der Tür und in 2 Tagen sagen wir Rom Arrivederci und ziehen weiter gen Süden. Leider sind aber noch nicht alle Weihnachtspäckchen, die uns liebe Freunde aus der Heimat zugeschickt haben, hier angekommen. Zu einem Päckchen haben wir sogar zwei Sendungsverfolgungsnummern, doch seit dem 18.12. informiert DHL online lediglich darüber, dass das Päckchen an die italienische Post übergeben wurde und die nun zuständig sei. Dies ergäbe sich aus der 2. Sendungsverfolgungsnummer, der mit den Buchstaben.
Ich packte also Tochter 2 warm ein (- wie kann das sein, hier sind nur 2 Grad! -) und schob mit dem Kinderwagen zu der Poststation, von der ich wußte, dass sie auch für postalische Leistungen zuständig ist. Nach Nummern-Ziehen (Nr.27), einer halben Stunde vor der Post den Kinderwagen hin-und-her und eine Frau mit der Nummer 28, die sich vordrängeln wollte, zur Seite schiebend, war ich endlich dran. Ich legte dem grummeligen Herrn hinterm Schalter nun die Sendungsverfolgungsnummer vor und bat ihn, doch mal in seinem Computer nachzusehen, wo das Päckchen stecken könnte. Denn ist sei unser letzter Werktag hier. Ein Blick auf die Nummer und eine kurze Beratung mit dem Herrn vom Nachbarschalter später informierte er mich, dass das ja die falsche Nummer sei. Daraufhin zeigte ich ihm die andere, nämlich die von DHL, aber die sei erst recht falsch, so er. Sobald das Päckchen in Italien gelandet sei, würde es eine neue, eine italienische Nummer bekommen. Nur wenn ich die hätte, könnte sein Computer darüber Auskunft geben, wo das Päckchen denn steckengeblieben sei. Ja, und wo bekomme ich diese Nummer?, fragte ich.  – Die Italiener sind Meister der großen Gesten, so ging sein nachfolgendes Schulterzucken durch den ganzen Körper. Die Arme zur Seite gestreckt, die Stirn in Falten, sagte er „Ja, das ist ein Problem!“ Ich solle am besten zur Hauptpost gehen oder die Post-Hotline anrufen. Immerhin notierte er mir noch die Telefonnummer.
Wieder auf der Straße (ganz schön kalt) entschied ich mich, es erst einmal telefonisch zu versuchen, auch wenn der Herr mir gesagt hatte, dass die bei der Hotline nur italienisch sprechen. Die Grammatik meiner Italienisch-Versuche treibt den Italienern zwar sicher Tränen in die Augen, aber ich kann mich mittlerweile verständigen. Ich wählte also die Telefonnummer. Eine freundliche Automatenstimme teilte mir mit, dass diese Nummer nicht aus dem Mobilfunknetz erreichbar sei. Dem Smartphone sei Dank habe ich ziemlich schnell die Nummer gefunden, die für Anrufe aus dem Mobilfunknetz richtig ist. Leider auch hier nur eine Automatenstimme: „Sie rufen nicht aus Italien an. Diese Nummer ist aus Ihrem Land nicht erreichbar“.
Also doch zur Hauptpost. Immerhin schlief Tochter 2 noch. Nach einer halben Stunde strammen Fußmarsches erreichte ich das Postamt. Es war schön groß und es gab gleich 3 Schalter, die für Postdinge zuständig waren. Leider standen vor mir etwa 30 Menschen vor der Nummern-Zieh-Maschine. Diese hatte den Geist aufgebenden. Ein Postmitarbeiter kam, versuchte zu reparieren, und verschwand wieder. Hinter mir strömten immer mehr Menschen in die Post. Und was machten die Mitarbeiter an ihren Schaltern, nachdem keine Nummern mehr aufgerufen werden konnten? Wer jetzt denkt, sie hätten die Leute der Reihe nach drangenommen, irrt. Nein, das geht doch nicht. Ohne Nummer kommt man nicht dran. Und wenn es keine Nummern mehr gibt, machen wir erstmal Pause. So schlossen die Schalter nach und nach. Der Herr, der die Maschine reparieren wollte, tauchte nicht wieder auf. Ich gebe es zu: nach einer viertel Stunde, ohne das was passierte, habe ich aufgegeben. Kein Durchhaltevermögen, ich weiß. Umberto Eco hat in einem Buch mal beschrieben, wie er nachdem ihm die Brieftasche gestohlen wurde, versuchte, sich einen neuen Führerschein zu beschaffen. Ich hielt es für eine lustige, aber erdachte Geschichte. Ich muss mich für diese Unterstellung entschuldigen!
Ich hoffe nun also, dass der Postbote am 2. Januar früh aufsteht, und uns unsere Päckchen doch noch bringt, bevor wir abreisen. Oder diese zumindest an die Absender zurückschickt. Ich weiß, hehre Wünsche. Aber zum neuen Jahr kann man sich (und anderen) doch hohe Ziele stecken, oder?

Weihnachten mal anders

Weihnachten war schön. Wenn auch ganz anders als zuhause. Am Tag vor Heiligabend haben wir einen Spaziergang zum Petersplatz gemacht und Tochter 1 und ich haben den Petersdom besichtigt, sehr beeindruckend, auch wenn die vielen Grabstellen einer Vierjährigen etwas schwer zu erklären sind.

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Den Papst haben wir leider nicht getroffen. Tochter 1 meinte, wir könnten doch kurz bei ihm klingeln und ihn besuchen, ganz einfach. In Hamburg ist es ja auch tatsächlich so einfach. Beide – die katholische und die evangelische Kirche in unserem Stadtteil – sind nah am Menschen: im Kindergarten geht der Dompfarrer ein und aus, unterhält sich mit den Kindern, macht Spiele mit ihnen. In unserer evangelischen Kirche führen die Pastoren vor Weihnachten für die Kinder ein Puppenspiel auf, es gibt gemeinsames Liedersingen und die Pastoren werden von den meisten Kindern geduzt. Und da soll man nicht einfach beim Papst klingeln können? Ich habe ihr erklärt, dass der Papst ja sehr viel zu tun hat, überall auf der Welt unterwegs ist und keine Zeit hat, sich mit allen Leuten zu treffen, die auf dem Petersplatz unterwegs sind – laut Reiseführer sollen das immerhin 12.000 Menschen täglich (!) sein. Unglaublich. Da hatte Tochter 1 schon die Schweizergarde entdeckt, die in ihren Uniformen eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Prinzen einer tschechischen Märchenverfilmung aufwies.
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Weihnachtspost

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Ich schreibe gerne Karten, da bin ich altmodisch. Tochter 1 liebt es auch, Karten zu schreiben (Karten zu bekommen natürlich erst recht!) Also haben wir uns hier mit diversen Post- und Weihnachtskarten eingedeckt, um Weihnachtsgrüße in die Heimat zu schicken. Die Karten kauft man im Tabacchi, dort gibt es auch Briefmarken. Wieder in der Wohnung haben Tochter 1 und ich dann also Karten geschrieben und bemalt und festgestellt, dass wir zuwenig Karten haben. Denn Tochter 1 sind immer mehr Leute eingefallen, die unbedingt (!) auch eine Karte bekommen müssen. Wir also schnell wieder die Schuhe an, auf dem Weg die ersten Karten eingesteckt und dann weiter zum selben Tabacchi. Diesmal sitzt nicht die Dame mittleren Alters dort, sondern ein junger Mann. Für die frisch gekauften 10 Karten habe er nur noch 3 Briefmarken, weitere würden wir bei der Post oder in einem anderen Tabacchi bekommen. Wir nehmen also die 3 vorhandenen Briefmarken und die Karten mit. Und wundern uns. Warum ist das Porto ein anderes als noch am Vormittag? Der Signor-Tabacchi zuckt nur die Schultern. Wir steuern also als nächstes die Post an. Wie an so vielen Orten hier muss man bei der Post eine Nummer ziehen. Eigentlich eine gute Idee, so warten alle gleichermaßen, keiner drängelt sich vor. Nur doof, wenn man die Nummer 103 zieht und auf der Leuchttafel, die die aktuellen Nummern anzeigt, gerade erst die Nummer 79 aufgerufen wird. Und das für ein paar lausige Briefmarken. Wir stellen uns also auf´s Warten ein und kommen glücklicherweise nach etwa zwanzig Minuten mit der Dame, die neben uns steht, ins Gespräch. Die Anzeigetafel hat es dann auch schon bis Nr. 83 geschafft, als eben diese Dame uns erklärt, dass in diesem Postamt überhaupt keine Briefmarken verkauft würden. Da müssten wir zu einer anderen Filiale. Oder eben zu einem Tabacchi. Froh darüber, nicht tatsächlich bis zur Nr.103 gewartet zu haben, ziehen Tochter 1 und ich weiter. Es gibt viele Tabacchi in unserem Viertel, aber bei allen sind die Briefmarken ausverkauft. Doch dann, endlich! In einem Tabacchi soll es noch Briefmarken geben! Nicht wie hin! Wir wollen gerade zuschlagen, als wir feststellen, dass hier wieder anderes Porto verlangt wird. Was? Und dann steht da noch ein gelber Papp-Briefkasten im Laden. Was soll das denn nun? Da klärt uns der Tabacchi-Chef auf, dass das nicht die italienische Post sei, sondern die Swiss-Post. Die hätte Spezialbriefmarken, die Karten dürfe man dann auch nur in die Spezialbriefkästen werfen. Äh? „No, Grazie!“ Das kommt uns nicht geheuer vor, mal ganz abgesehen davon, dass das Porto fast das Doppelte beträgt. Der Nachmittag ist zum Abend geworden, die andere Postfiliale hat jetzt zu. Also gehe ich am nächsten Morgen nochmal los, diesmal in Begleitung von Tochter 2, die in der Babytrage schläft. Es schüttet aus Eimern, typisches Hamburger Mistwetter. In dieser Postfiliale gibt es extra Nummern für Postwertzeichen und Paketversand! Ich ziehe also eine Nummer (die 24) und unglaublicherweise wird gerade die Nummer 20 aufgerufen. Dann kann es ja nicht so lange dauern. Drinnen ist es brütend warm, draußen regnet es mittlerweile von der Seite. Ich entscheide mich für draußen und gehe mit der schlafenden Tochter und einem riesigen Schirm auf und ab. Die Nummern vor mir brauchen jeweils eine viertel Stunde. Ja, so ein Briefmarkenkauf will wohl überlegt sein. Als die Nummer 23 endlich den Schalter verlässt – juhu, ich bin dran – kommt eine Bekannte des Postbeamten mit ihren Päckchen. Und hat natürlich Vorrang, meine schöne Nr.24 wird immer noch nicht angezeigt. Soviel zu fairem Warten dank Nummern-Ziehen. Während ich mit meinem fürchterlich nassen Schirm nun den Innenraum der Post wässere und überlege, wie ich mit meinem Schmalspur-Italienisch einen kleinen Aufstand provozieren könnte, hat die Dame vom Schalter „Finanzdienstleistungen“ Erbarmen mit mir und verkauft mir endlich die ersehnten Briefmarken. Sie erklärt mir auch, dass die Post gerade das Porto angehoben hat, diese Information aber wohl noch nicht bei allen Tabacchi angekommen sei.
Teile unserer Weihnachtspost sind somit falsch frankiert. Wer also keine Karten bekommen hat: Sorry! Nicht unser Fehler! An alle: „Vorweihnachtliche Grüße aus Rom!“

Kinder, Erziehung und John Glade

Alte Freunde lernt man ganz neu kennen, wenn sie Kinder bekommen. Und dabei meine ich nicht dieses typische Gejammere à la „ich sehe meine Freundin kaum noch, seit sie Mutter ist“. Nein, ich meine die unterschiedlichen Erziehungsstile. So manches hätte man doch im Vorfeld nicht erwartet? Da darf das Kind den selbst gebackenen Sandkuchen essen, dort helikoptert Mama gleich mit den Sagrotan-Tüchern vorbei. Die einen zucken nur mit den Achseln, wenn das Kind zur Verkäuferin im Laden „blöde Kuh“ sagt, bei den anderen muss das Kind auf die stille Treppe, wenn es was angestellt hat. Das ist in Deutschland so, das wird auch hier so sein. Ich war anfangs bei Tochter 1 sicher auch etwas überbeschützend, tatsächlich wird man mit der Zeit etwas entspannter.

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Und so versuchen wir, Tochter 1 zur Selbständigkeit zu erziehen. Sie ging in Venedig -ihr wisst´s schon – jeden Morgen allein zum Bäcker. Stolz wie Oskar kam sie immer mit der Brötchentüte zurück. Das geht in Rom nicht, das ist klar, bei den wilden Autofahrern hier kann man kaum einen Erwachsenen ohne Warnweste auf die Straße lassen. Aber es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten, das Kind seine Selbständigkeit erproben zu lassen. So war ich mit Tochter 1 in einer Fußgängerzone in einem Schreibwarengeschäft während Mann und Tochter 2 draußen auf und ab gingen. Nun sollten wir aber für den Mann Briefumschläge mitbringen. Es gab kleine und große, dicke und dünne. Also bat ich Tochter 1 doch mal eben zu Papa zu gehen und nachzufragen. Sie ging los – doch sie kam nicht weit. Eine ältere Dame schnappte sich am Eingang ihren Arm, sagte ziemlich fordernd „Dov´è Mama?“ und schleppte sie zu mir zurück. C´è pericoloso! Es ist gefährlich! sagte sie zu mir und die ebenfalls ältere Verkäuferin fragte mich sogleich, ob sie die Türe lieber schließen solle. Naja, so sind sie, die älteren Damen, dachte ich… Doch schon kurze Zeit später, als sich Tochter 1 am Kiosk eine Kaugummisorte aussuchen durfte, ereilte uns die gleiche Situation erneut. Da ich mich sträflicherweise etwa drei Meter von meiner Tochter entfernte, musste ich eine Schimpf- und Belehungstirade einer diesmal jüngeren Dame über mich ergehen lassen. „Gefährlich!“ und „Kidnapping!“ wiederholte sie mehrfach. Tochter 1 wollte natürlich wissen, was die Frau zu mir gesagt hat. Da ich sie nicht mit Schauermärchen erschrecken wollte, erzählte ich ihr, ich hätte die Dame nicht verstanden. Daraufhin empfahl mir Tochter 1, doch Google John Glade (alias Google Translate) zu Rate zu ziehen. Den Höhepunkt erreichte die italienische Fürsorge jedoch auf dem Weihnachtsmarkt, wo mich der Kontrolleur auf dem Kinderkarussell verpflichtete, während der gesamten Fahrt neben Tochter 1 stehen zu bleiben. „Nein!Kinder dürfen nicht allein mitfahren. Mama muss mit!“ Tochter 1 sagte dazu nur „Sei nicht traurig Mama, das nächste Mal kaufen wir dir auch eine Fahrkarte, dann darfst du auch auf ein Pferdchen. – Na da werd ich erstmal mit John Glade den Karussellbetreiber fragen, ob das denn wohl erlaubt ist.

Advent, Advent

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt… das kennt in Deutschland jedes Kind. Jetzt sind wir in Rom und erleben hier eine Vorweihnachtszeit, die so ganz anders ist als zuhause. Auch schön. Aber anders. Das fängt schon bei den „Lichtlein“ an, denn der Adventskranz ist Deutschland zwar weit verbreitet, in Rom hingegen gänzlich unbekannt. Nun liebt Tochter 1 aber die Vorweihnachtszeit, wie sie sie kennt: das Basteln, den als Tannenbaumsingen bekannten Weihnachtsliedersing-Kakao-Glühweinnachmittag, wenn der Tannenbaum auf dem Domplatz bei ihrer Kita aufgestellt wird, und sie liebt eben auch das Anzünden der Adventskranzkerzen. Gut, stellen wir also ein paar Kerzen auf einen roten Teller. Geht auch.

Mit den Schokoladenweihnachtsmännern und den Lebkuchen wird es da schon schwieriger. Während in den Hamburger Supermärkten gefühlt das Feilbieten der Schokoladenweihnachtsmänner nahtlos an das der Schokoladenosterhasen anschließt, findet sich hier in den Supermärkten: nichts dergleichen. Nichts! – Ok, an den Kiosken hier kann man Überraschungspakete kaufen, auf denen Babbo Natale, der Weihnachtsmann, abgebildet ist, aber die typische Weihnachtsschokolade: Fehlanzeige. Das hat den Nikolaus dieses Jahr in arge Bedrängnis gebracht, das kann ich Euch sagen!

Wir versuchen trotzdem, die Vorweihnachtszeit weihnachtlich zu gestalten. Haben Kekse gebacken (Wozu braucht man ein Nudelholz, wenn es auch eine Weinflasche tut), der Adventskalender hängt am Garderobenständer – und wir singen fleißig Weihnachtslieder. Und die Freude war groß, als wir hörten, dass auf einem der schönsten Plätze Roms, der Piazza Navona, ein Weihnachtsmarkt sein soll. Tochter 1 war ganz aufgeregt, und auch wir freuten uns. Zwar konnten wir uns nicht so richtig vorstellen, bei etwa 18 Grad Glühwein und Schmalzgebäck zu genießen, aber so ein bisschen Hilfe in Sachen Weihnachtsstimmung wäre schon schön. Auf der Piazza Navona angekommen, wurden wir eines besseren belehrt. Der Weihnachtsmarkt entpuppte sich als eine Art Jahrmarkt, mit einem Kinderkarussell, einmal Enten-Angeln und 7 (!) Schießbuden.

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Keine Getränke, kein Gebäck, keine Weihnachtsmusik, kein Babbo Natale weit und breit. Tochter 1 ist zwei Runden Karussell gefahren, dann habe ich ihr ein Stofftier-Schwein geschossen. Auf dem Nachhauseweg haben wir uns noch ein großes Eis gekauft. Erdbeer und Schoko. Mit Sahne. Ein bisschen Süßkram muss doch sein in der Vorweihnachtszeit. Und immerhin kamen wir auf unserem Weg durch ein paar Gassen, die weihnachtlich beleuchtet waren. So mit Sternen. In Neonblau. Und Neongrün. Aber hey, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Mit Sicherheit

Wir wohnen gut beschützt. Geht man unsere Via in die eine Richtung, gelangt man zur Carabinieri-Station, in der anderen Richtung ist die Polizia Statale.

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Auf der Straße sieht man ständig die Verkehrspolizei, die Vigili Urbani, die auch gern mal an einer Kreuzung mit Trillerpfeife wild gestikulierend tätig wird, wenn alle Ampeln intakt sind. (Bei Moped-Fahrern, die bei Rot weiterfahren, habe ich sie allerdings noch nicht einschreiten sehen.) Und alle haben sie unterschiedliche, aber sehr schicke Uniformen an. Dunkelblau, grau, schwarz oder tarngrün – wer kennt sich da schon so genau aus – , mit Streifen, ohne Streifen, mit Pistole im Holster oder auch Messer am Oberschenkel, was, ohne despektierlich sein zu wollen, ein wenig Ähnlichkeit mit einem Strumpfband hat.

Auch die Guardia di Finanza sieht man ab und zu in ihren schnittigen schwarzen Autos mit gelben Streifen vorbeisausen. Und: man sollte es kaum glauben, diese Finanzpolizei hat in Italien tatsächlich einen gewissen Einschüchterungscharakter, existiert doch im italienischen Steuerrecht eine Regelung, wonach alle Verkäufer verpflichtet sind, den Kunden „den Kassenbon maschinell auszudrucken und mitzugeben“. Wird der Kunde in Geschäftsnähe ohne diesen Scontrino angetroffen, droht dem Verkäufer eine Strafe wegen Steuerhinterziehung. (Und dem Kunden möglicherweise wegen Beihilfe). Und ich hatte mich schon gefragt, warum die Bäckereifachverkäuferin so beharrlich darauf bestand, dass ich für die paar Brötchen auch den Kassenbon mitnehme.

Bei sonstigen Delikten kommen aber wohl eher die Carabinieri oder die Polizia Statale zum Zuge, wobei uns die jeweiligen Zuständigkeiten nicht ganz klar werden. Erstere, die von Wikipedia auch als die Gendarmerie Italiens bezeichnet werden, stellen neben Heer, Luftwaffe und Marine eine eigene militärische Streitkraft dar, sind aber jenseits militärischer Belange dem Innenministerium unterstellt. Die Polizia Statale hingegen untersteht sowieso und immer dem Innenministerium. Unser schlauer Reiseführer sagt dazu, dass die Polizia Statale bei Diebstählen und Visaverlängerungen, die Carabinieri hingegen bei allgemeinen Verbrechen zuständig sind. Schlauer macht das nicht und umso froher waren wir dann darüber, dass mein Mann, der im überfüllten Bus stand – Tochter 1 auf dem Arm und sich mit der anderen Hand festhaltend – die fremde Hand in seiner Hosentasche auf der Suche nach Portemonnaie oder Handy rechtzeitig bemerkte. Und in unserer Wohnung sind wir ja gut geschützt. Mit allen Institutionen anbei und beachtlichen 5 Türschlössern, eins davon sogar mit elektronischem Mechanismus.