Weihnachtspost

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Ich schreibe gerne Karten, da bin ich altmodisch. Tochter 1 liebt es auch, Karten zu schreiben (Karten zu bekommen natürlich erst recht!) Also haben wir uns hier mit diversen Post- und Weihnachtskarten eingedeckt, um Weihnachtsgrüße in die Heimat zu schicken. Die Karten kauft man im Tabacchi, dort gibt es auch Briefmarken. Wieder in der Wohnung haben Tochter 1 und ich dann also Karten geschrieben und bemalt und festgestellt, dass wir zuwenig Karten haben. Denn Tochter 1 sind immer mehr Leute eingefallen, die unbedingt (!) auch eine Karte bekommen müssen. Wir also schnell wieder die Schuhe an, auf dem Weg die ersten Karten eingesteckt und dann weiter zum selben Tabacchi. Diesmal sitzt nicht die Dame mittleren Alters dort, sondern ein junger Mann. Für die frisch gekauften 10 Karten habe er nur noch 3 Briefmarken, weitere würden wir bei der Post oder in einem anderen Tabacchi bekommen. Wir nehmen also die 3 vorhandenen Briefmarken und die Karten mit. Und wundern uns. Warum ist das Porto ein anderes als noch am Vormittag? Der Signor-Tabacchi zuckt nur die Schultern. Wir steuern also als nächstes die Post an. Wie an so vielen Orten hier muss man bei der Post eine Nummer ziehen. Eigentlich eine gute Idee, so warten alle gleichermaßen, keiner drängelt sich vor. Nur doof, wenn man die Nummer 103 zieht und auf der Leuchttafel, die die aktuellen Nummern anzeigt, gerade erst die Nummer 79 aufgerufen wird. Und das für ein paar lausige Briefmarken. Wir stellen uns also auf´s Warten ein und kommen glücklicherweise nach etwa zwanzig Minuten mit der Dame, die neben uns steht, ins Gespräch. Die Anzeigetafel hat es dann auch schon bis Nr. 83 geschafft, als eben diese Dame uns erklärt, dass in diesem Postamt überhaupt keine Briefmarken verkauft würden. Da müssten wir zu einer anderen Filiale. Oder eben zu einem Tabacchi. Froh darüber, nicht tatsächlich bis zur Nr.103 gewartet zu haben, ziehen Tochter 1 und ich weiter. Es gibt viele Tabacchi in unserem Viertel, aber bei allen sind die Briefmarken ausverkauft. Doch dann, endlich! In einem Tabacchi soll es noch Briefmarken geben! Nicht wie hin! Wir wollen gerade zuschlagen, als wir feststellen, dass hier wieder anderes Porto verlangt wird. Was? Und dann steht da noch ein gelber Papp-Briefkasten im Laden. Was soll das denn nun? Da klärt uns der Tabacchi-Chef auf, dass das nicht die italienische Post sei, sondern die Swiss-Post. Die hätte Spezialbriefmarken, die Karten dürfe man dann auch nur in die Spezialbriefkästen werfen. Äh? „No, Grazie!“ Das kommt uns nicht geheuer vor, mal ganz abgesehen davon, dass das Porto fast das Doppelte beträgt. Der Nachmittag ist zum Abend geworden, die andere Postfiliale hat jetzt zu. Also gehe ich am nächsten Morgen nochmal los, diesmal in Begleitung von Tochter 2, die in der Babytrage schläft. Es schüttet aus Eimern, typisches Hamburger Mistwetter. In dieser Postfiliale gibt es extra Nummern für Postwertzeichen und Paketversand! Ich ziehe also eine Nummer (die 24) und unglaublicherweise wird gerade die Nummer 20 aufgerufen. Dann kann es ja nicht so lange dauern. Drinnen ist es brütend warm, draußen regnet es mittlerweile von der Seite. Ich entscheide mich für draußen und gehe mit der schlafenden Tochter und einem riesigen Schirm auf und ab. Die Nummern vor mir brauchen jeweils eine viertel Stunde. Ja, so ein Briefmarkenkauf will wohl überlegt sein. Als die Nummer 23 endlich den Schalter verlässt – juhu, ich bin dran – kommt eine Bekannte des Postbeamten mit ihren Päckchen. Und hat natürlich Vorrang, meine schöne Nr.24 wird immer noch nicht angezeigt. Soviel zu fairem Warten dank Nummern-Ziehen. Während ich mit meinem fürchterlich nassen Schirm nun den Innenraum der Post wässere und überlege, wie ich mit meinem Schmalspur-Italienisch einen kleinen Aufstand provozieren könnte, hat die Dame vom Schalter „Finanzdienstleistungen“ Erbarmen mit mir und verkauft mir endlich die ersehnten Briefmarken. Sie erklärt mir auch, dass die Post gerade das Porto angehoben hat, diese Information aber wohl noch nicht bei allen Tabacchi angekommen sei.
Teile unserer Weihnachtspost sind somit falsch frankiert. Wer also keine Karten bekommen hat: Sorry! Nicht unser Fehler! An alle: „Vorweihnachtliche Grüße aus Rom!“

4 Gedanken zu „Weihnachtspost

  1. Immer wenn ich solche, nennen wir es mal vorsichtig Sitten, anderer Länder lese, bin ich dann doch froh hier in Deutschland zu leben. Andererseits, wenn ich an den gestrigen Tag denke: 22. Dezember, ca 12 Grad und strömender Regen mitten im Ruhrpott. Ich auf der Jagd nach den letzten Weihnachtskarten um sie am gleichen Tag noch zu verschicken. Mein Zeitschriftenhändler des Vertrauens hat leider keine mehr (!). Die Post ist nicht weit weg, also hin. Mit ca. 30 anderen Leute bis auf die Straße in der Schlange gestanden, weil von den 6 Schaltern nur 3 geöffnet haben. Und sie jedem natürlich auch noch ein werweißwietolles Girokonto anbieten müssen…. in der Post selbst gefühlte 30 Grad…
    … nun ja – ist doch nicht so anders hier 🙂

    Ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest in der Ferne!
    Lg Haydee

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    • Merry Christmas Euch und ganz viele Grüße von der langen Reihe!
      (bisher keine Post… ) 🙂
      Am 22. hatte ich auch ein Problem mit den Marken, also habe ich im Kaufhof gefragt, wo ich auch die letzten Karten erworben hatte: ‚Verkaufen Sie auch Briefmarken?‘ Super – Erfolg gehabt! Da hat ja mal was auf den letzten Drücker geklappt……

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  2. Hallo Lesestäbchen,
    zur Post: Ich habe am 13. Mai in VENEDIG für meine Urlaubspost die ALTERNATIVE, überteuerte private Firma für meine 2 Karten ausprobiert, da die normale italienische Post ja nicht so zuverlässig ist (ich bekam mal eine Karte aus Umbrien 1 Jahr (!) nach dem Urlaub des Freundes (gemeinsam mit 50 % seiner Freunde, der Rest ging bis heute leer aus). … Es gab sogar ein Stadtplan mit allen Briefkästen des Unternehmens, witziger Weise war der nächste Briefkasten 2 Meter neben unserem Hoteleingang… So, jetzt das statistische Ergebnis: Die zwei Karten kamen am 12. und 13. Juni an, nach also genau 1 Monat, nachdem ich sie eingesteckt hatte. Aber immerhin kamen sie an. Zu 100 %.
    Ist denn deine Weihnachtspost zu 100% angekommen?
    fragt sich deine Abi-Treff-Organisatorin

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    • Liebe Abi-Treff-Orgsnisatorin, tatsächlich sind alle unsere Weihnachtskarten aus Rom rechtzeitig angekommen.
      Anders als die Päckchen, die uns aus der Heimat erreichen sollten: eins kam samt Weihnachtsschokolade Ende März wieder in HH an, das andere blieb komplett verschollen… Liebe Grüße

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