Weihnachten mal anders

Weihnachten war schön. Wenn auch ganz anders als zuhause. Am Tag vor Heiligabend haben wir einen Spaziergang zum Petersplatz gemacht und Tochter 1 und ich haben den Petersdom besichtigt, sehr beeindruckend, auch wenn die vielen Grabstellen einer Vierjährigen etwas schwer zu erklären sind.

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Den Papst haben wir leider nicht getroffen. Tochter 1 meinte, wir könnten doch kurz bei ihm klingeln und ihn besuchen, ganz einfach. In Hamburg ist es ja auch tatsächlich so einfach. Beide – die katholische und die evangelische Kirche in unserem Stadtteil – sind nah am Menschen: im Kindergarten geht der Dompfarrer ein und aus, unterhält sich mit den Kindern, macht Spiele mit ihnen. In unserer evangelischen Kirche führen die Pastoren vor Weihnachten für die Kinder ein Puppenspiel auf, es gibt gemeinsames Liedersingen und die Pastoren werden von den meisten Kindern geduzt. Und da soll man nicht einfach beim Papst klingeln können? Ich habe ihr erklärt, dass der Papst ja sehr viel zu tun hat, überall auf der Welt unterwegs ist und keine Zeit hat, sich mit allen Leuten zu treffen, die auf dem Petersplatz unterwegs sind – laut Reiseführer sollen das immerhin 12.000 Menschen täglich (!) sein. Unglaublich. Da hatte Tochter 1 schon die Schweizergarde entdeckt, die in ihren Uniformen eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Prinzen einer tschechischen Märchenverfilmung aufwies.

Tochter 1: „Mama, warum haben die eine Lanze dabei?“
Ich: „Die schützen den Papst.“
Tochter 1: „In den Hosen?“

Darauf hatte ich, ehrlich gesagt, keine Antwort parat. Vor dem Petersdom steht ein riesiger Weihnachtsbaum und – sehr zur Freude von Tochter 1 – eine große, wunderschöne Weihnachtskrippe. Doch was ist das! Ein Aufschrei von Tochter 1 „Da hat jemand das Jesus-Baby geklaut!“ Am liebsten wollte sie gleich die Schweizergarde losschicken, um nach dem Baby zu suchen. Ein netter Herr klärt uns auf: Das Baby legt der Papst erst bei der nächtlichen Christmette in die Krippe. Gleiches Bild am Heiligabend in der Kirche in unserer Straße – auch hier fehlt das Baby noch in der Krippe. Außer uns nur sechs oder sieben Rentner in der Kirche. Wir senken den Altersdurchschnitt ungemein. Und die Messe um 18 Uhr war eine ganz normale und überhaupt nicht weihnachtlich. Tochter 1, die vorher schon mit Papa im Netz beim Santa-Tracker geguckt hatte, wo der Weihnachtsmann gerade ist, rutschte unruhig auf der Kirchenbank hin und her. Wir also wieder nach hause. Und siehe da: der Weihnachtsmann war schon da! Beide Töchter haben sich sehr über ihre Geschenke gefreut, Tochter 2 fast noch mehr über das leckere Geschenkpapier. Und den Papst haben wir am nächsten Tag im Fernsehen gesehen. Er hat tatsächlich das Baby in die Krippe gelegt!

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