Keine Personenkontrolle

An einem unserer letzten Abende in Noto machte ich mit Tochter 2 einen Abendspaziergang durch unser sizilianisches Städtchen.

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Junge Männer mit ihren Pitbulls kommen mir entgegen, diese Hunde sind hier sehr in Mode. Da treffe ich wieder meine Freunde der Altherrengruppe. Diesmal spricht mich ein anderer an, nicht mein Schwarm, sondern ein sonnengebräunter Herr in Jeans und Trenchcoat. „Di dove sei?“ Woher bist Du, fragt er mich. „Germania“, Deutschland meine Antwort. Das ist der Moment – man glaubt es kaum, da spricht er tatsächlich ein paar Brocken Deutsch mit mir. Hier in Noto, wo nicht einmal die Ärzte im Krankenhaus englisch sprechen. “ ich ware in München. Schöne Stadt. Dir gefalle Noto?“ will er wissen. Und dann klärt er mich auf : „Noto ist sicher, ist gut für euch. Keine Polizei hier. Keine Personenkontrolle. Gut für euch!“ wiederholt er nochmal, und zieht dann lächelnd weiter. Ich frage mich, was er mir wohl damit sagen will. Da fährt ein vollbessetztes Mofa an mir vorbei. Vater, Mutter und ein Kind im Grundschulalter klammern sich aneinander, die Mutter hat sich noch ein Baby unter den Arm geklemmt. Einen Helm trägt nur der Papa. Da denke ich, so ein bisschen Polizeikontrolle wäre doch ganz gut. Auch wenn Noto ohne Personenkontrolle gut für mich ist. Warum auch immer.

Noto

Unser kleines Städtchen Noto im Osten Siziliens ist wirklich hübsch, lauter kleine Gassen mit alten Häusern, ein paar Brunnen – und Unmengen an Kirchen.
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Auf etwa dreiundzwanzigtausend Einwohner, die Noto hat (hier zählen auch die entfernteren Stadtteile Marina di Noto und Testa del Aqua mit), kommen sage und schreibe 33 Kirchen! Das Meer ist mit dem Auto nur einen Katzensprung entfernt, und ich vermute, in Noto wird im Frühjahr wie wild geheiratet, denn unweit unserer Wohnung habe ich bislang unglaubliche 10 Friseurläden und 6 Hochzeitsfotografen gesehen. Und ich spreche hier von einem maximalen Spaziergang von fünf Minuten. Der nächste Supermarkt ist hingegen eine halbe Stunde zu Fuß entfernt, aber hey, man muss Prioritäten setzen!
Mein Mann und Tochter 1 machen Ausflüge in die Berge und ans Meer, Tochter 2 ist leider etwas krank und darf nur kurze Spaziergänge unternehmen. Wir zwei spazieren also momentan höchstens zum Kinderarzt (der nur italienisch spricht, ein echter Spaß) oder die Fußgängerzone auf und ab. Auf dem Platz vor der einen Kirche sitzt immer ein Haufen älterer Herren, 70 und aufwärts. Stets gut gekleidet, Nadelstreifenanzug, Sonnenbrille, Herrenhandtasche – und das auf Sizilien. Echt wie im Film. Seitdem ich ihnen das dritte, vierte Mal begegnet bin, grüßen sie immer sehr freundlich, vor allem einer mit Schiebermütze, dritten Zähnen und einem gewinnbringenden Lächeln. „Ciao Bella“ begrüßt er mich stets. Ach, so ein kleiner Urlaubsflirt ist doch auch was Feines…

Vom Suchen und Finden einer Unterkunft

Um möglichst  den Alltag an den Orten zu leben, die wir bereisen, bleiben wir meist längere Zeit. Das macht die Suche nach dem jeweiligen Ort, aber auch nach einer Wohnung nicht einfacher, denn außer Venedig kannten wir bislang keines unserer Reiseziele. Und wir hatten wirklich Glück mit unseren kleinen, feinen Wohnungen in Venedig und Rom. Als nächste größere Station haben wir uns Sizilien ausgesucht. Aber wohin da genau? Gar nicht so einfach, wenn man irgendwo noch nie war, aber länger bleiben will. Nach dem ganzen Trubel in Rom war klar, dass wir auf Sizilien lieber in eine kleine Stadt wollten, mit den wichtigsten Läden fußläufig und mit genug Parkplätzen, so dass wir für unser Auto keine extra Unterkunft suchen müssen. Die Entscheidung fiel auf Noto, ein hübsches Barrock-Städtchen an der Ostküste.
Gut, dann also eine Bleibe zu finden. Und so ein paar wenige Ausstattungsmerkmale sollte die Wohnung schon haben. Am wichtigsten für uns: Waschmaschine und Heizung. Das sind tatsächlich hohe Ansprüche, denn viele Wohnungen auf Sizilien haben zwar eine Klimaanlage, aber keine Heizung. Doch was ist das? Über eins der bekannten Portale hatten wir schnell eine, wie es schien, sehr schöne Wohnung gefunden! Hell, mit Heizung, Waschmaschine, familienfreundlich. Also alles, was das Herz begehrt. Doch dann begann ein wirklich irrwitziger E-Mail-Austausch mit der Vermieterin. Zunächst wollte sie wissen, warum wir denn auf Reisen seien, was wir so beruflich machen würden und ob wir ihr Kontakt zu vorherigen Vermietern von Ferienwohnungen herstellen könnten, damit sie da nachfragen könne, ob wir auch in Ordnung seien – in diesem Moment warteten wir schon auf die Frage nach der Schufa-Auskunft, wie auch immer das italienische Pendant dazu heißen mag. Als sie uns dann informierte, dass sie sämtliche Möbel mit Bettlaken abzudecken und sämtliche Vasen etc. wegzustellen gedenke, weil wir ja -Oh Schreck!- mit Kindern kommen und wir doch bitte eine Kaution zu hinterlegen hätten, falls was kaputt gehe, haben wir uns dann doch gegen dieses freundliche Angebot entschieden und der Vermieterin empfohlen, doch den Haken bei „familienfreundlich“ zu entfernen. Zum Glück haben wir dann doch noch eine wirklich schöne Wohnung mitten in Noto gefunden, der E-Mailverkehr mit dem Vermieter war zwar eine kleine Herausforderung, da auch er (wie schon Rodolfo in Rom) google Translate liebt und alles, aber auch alles übersetzt, aber der Vermieter und seine Frau sind großartig. Zu Begrüßung erwartete uns bereits ein großer Korb mit frischem Obst und eine Flasche Wein. Bevor wir an diesem zauberhaften Ort angekommen sind, kam aber noch die Anreise von Rom nach Sizilien. Hmm. Mit der Fähre über nacht? Oder doch mit dem Auto bis zur Stiefelspitze und dann nur kurz übersetzen? Wir entschieden uns für letzteres und nahmen eine Landkarte zu Hilfe, um zu entscheiden, wo strategisch günstige, weil Kinder-Autositz-Sitzfleisch entsprechende Stopps sind. Wir kamen auf 2 Stopps und haben dann schnell mit einem Buchungsportal jeweils eine Unterkunft gesucht. Zwar sind wir mit unserem tollen Auto unterwegs, in dem wir auch schlafen können, aber bei nächtlichen Minusgraden, Schnee auf dem Weg und einer erkälteten Tochter 2 fiel die Entscheidung dann doch auf ein Hotel für die erste, und ein B&B für die zweite Nacht. Im Hotel waren wir die einzigen Gäste, das Zimmer entsprach den Maßen unseres Autos: Wir hatten ein Dreibettzimmer mit Babybett und die Betten passten nebeneinander genau von einer Seite des Zimmers zur anderen. Prima:Keiner konnte aus dem Bett fallen. Aber ins Bett einsteigen war aufgrund des Metall-Bettgestells gar nicht so einfach.

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Umso begeisterter waren wir von dem B&B am nächsten Abend, wenn ihr mal in Palmi seid, kann ich das sehr empfehlen. Nun werden wir aber erstmal ein wenig Noto die Ost-Küste Siziliens unsicher machen. Bis wir dann irgendwann weiter ziehen und die Suche nach der geeigneten Unterkunft von Neuem beginnt.

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Tipps für eine Reise nach Rom mit Kindern

Reiseliteratur:
Als Vorbereitung auf unsere Reise haben wir mit Tochter 1 Komm mit! Rom für Kinder gelesen. Ist ganz nett, leider fehlt ein bisschen der rote Faden, um Kinder im Kindergarten-/Vorschulalter am Ball zu halten.
Für größere Kinder empfiehlt sich Für Eltern verboten: Rom: Der cool verrückte Reiseführer, der die Altersgruppe ab 8 Jahren anspricht.
Diese Kinderreiseführer erzählen den Kindern, was es in Rom alles zu bestaunen gibt und erklären ein bisschen geschichtlichen Hintergrund. Geht es um Anfahrtswege, Preise und Öffnungszeiten, sollten die Eltern sich ebenfalls einen Reiseführer gönnen.

Übernachten:
Rom platzt fast vor Hotels und B&B, da findet man über die üblichen Portale sicher immer was. Für alle, die einen längeren Aufenthalt im Sinn haben, oder auch in Rom ihre „eigenen“ vier Wände wollen, empfehlen sich die Wohnungsvermittlungen flatinromefewo-direktairbnb oder romehome.
Da der öffentliche Personennahverkehr etwas schwierig ist, ist es sinnvoll, sich zunächst einen groben Plan zu machen, was man in Rom alles sehen/machen will, um anschließend bei der Wohnungs-/Hotelwahl danach wählen zu können (z.B. fußläufige Nähe zu einem bestimmten Park).

Anreise:
Mit dem Flugzeug: Rom hat 2 Flughäfen, der größere ist Fiumicino (Aeroporto Leonardo da Vinci, Kürzel „FCU“). Er wird von den meisten Fluglinien direkt, z.B. Germanwings oder easyjet angeflogen. Der kleinere ist derFlughafen Ciampino (Aeroporto Giovan Battista Pastine, Kürzel: „CIA“), hier fliegt zum Beispiel ryanair hin. Vom jeweiligen Flughafen ins Stadtzentrum kommt man entweder mit dem Taxi (hier gibt es Fixpreise), mit Shuttlebussen oder mit der Bahn.
Mit der Bahn: Für alle, die aus Süddeutschland oder Österreich anreisen, ist die Bahn eine gute Alternative, so gibt es z.B. einen Nachtzug ab München. Die meisten Bahnen kommen bei der Station Termini an, von dort aus sind alle Stadtteile gut erreichbar.
Mit dem Auto: Wer mit dem Auto anreist, braucht starke Nerven, denn der Verkehr in Rom ist eine echte Herausforderung. Da die meisten öffentlichen Parkplätze nur Kurzzeitparken vorsehen, ist es ratsam, sich vorher einen Garagenplatz anzumieten. Die meisten Garagen werden – anders als in Deutschland – komplett zugeparkt und man gibt die Autoschlüssel mit ab. Wenn man nun sein Auto nutzen möchte, muss man eine halbe Stunde vorher anrufen, damit das Auto freigeparkt werden kann.

Von A nach B in Rom:
Öffentliche Verkehrsmittel: Rom hat 2 U-Bahnlinien, diverse Busse und Straßenbahnen, die vom ATAC betrieben werden. Fahrkarten gibt es bei den Tabacchi, zum Teil auch in den Straßenbahnen und Bussen direkt oder am Bahnhof. Die Karten kosten EUR 1,50, müssen vor Fahrtantritt entwertet werden und sind ab Entwertung Minuten gültig. Es ist zu empfehlen, mehrere Fahrkarten auf Vorrat zu kaufen, da in einigen Bussen/Straßenbahnen keine Karten erworben werden können. Kinder bis zum Alter von 10 Jahren zahlen nichts, wenn sie in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen sind. Es gibt ferner Tages-, 3-Tages-, Wochen- und Monatskarten. Wer ein verlängertes Wochenende bleiben und sich auch Museen ansehen möchte, für den lohnt sich der Roma-Pass, der ein 3-Tagesticket sowie den Eintritt zu den ersten 2 Museen oder Ausgrabungsstätten sowie diverse Preisnachlässe beinhaltet.
Der Bus- und Tramverkehr kann in Rom ganz schön Nerven kosten, denn es gibt kaum feste Fahrpläne. Die Busse/Straßenbahnen kommen – oder eben nicht. Außerdem ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel mit Kinderwagen eine echte Herausforderung. Wer die Busse, Bahnen und Straßenbahnen nutzen möchte, für den empfiehlt es sich, entweder auf der Seite des ATAC einen Netzplan herunterzuladen oder sich am Kiosk einen Stadtplan „Roma-Metro-Bus“ zu kaufen.
Taxi: Es gibt verschiedene Taxi-Firmen in Rom, die wohl bekannteste ist Auto Radio Taxi Roma. Aber Achtung: in vielen Taxen gibt es keine oder nur defekte Anschnallgurte!
Das eigene Auto: Fast der gesamte Innenstadtbereich von Rom ist Zona con Traffico Limitato, sodass die Nutzung des eigenen Autos kaum möglich ist.
Zu Fuß: Das Durchkommen mit einem Kinderwagen ist auf den römischen Straßen nicht einfach. Vielfach sind die Fußwege sehr schmal oder zugeparkt. Man kommt irgendwie voran, aber es kostet Nerven.

Touristisches:
Besichtigen: Für Kinder toll ist eine Besichtigung des Kolosseums und des Forum Romanum – für die Eltern gibt es ein Kombiticket, wenn nicht sowieso ein Roma-Pass (s.o.)gekauft wurde. Auch die Bocca della Veritá, die Lügnern angeblich die Hand abbeißt, und der Trevi-Brunnen, bei dem eine hineingeworfene Münze Glück bringen soll, sind für Kinder ebenso interessant wie die Engelsburg,in der man sich die alten Gefängniszellen angucken kann. Tochter 1 gefiel außerdem der Petersdom – die größte Kirche der Welt – sehr gut. Die Katakomben sind eher was für größere Kinder.
Stadtführungen: Für einen ersten Überblick ist die Fahrt in einem der 110er Doppeldeckerbusse (oben offen) toll. Ansonsten gibt es auch in Rom Stadtführungen, sogar solche extra für Kinder 
Kunst: Um die Kunst alter Meister zu bewundern, muss man nicht unbedingt in ein Museum, auch in vielen Kirchen können tolle Gemälde besichtigt werden.

Spielplätze/Draußen:
Villa Borghese: So richtig viele Spielplätze gibt es in Rom nicht, für Kinder nett ist die Villa Borghese, ein Park im Norden Roms. Dort gibt es einen Spielplatz, Cafés für die Eltern, Mini-Autoscooter, am Wochenende Ponyreiten und den Verleih von 4-er Fahrrädern.
Villa Pamphili: Dieser schöne Park im Osten Roms ist sehr grün und hat einen Spielplatz (dieser ist in der Nähe der Straße Via Olimpia).
Gianicolo: Auf dem Gianicolo-Hügel im Osten der Stadt gibt es ein kleines Karrussell, manchmal eine Hüpfburg, Ponyreiten und am Wochenende Mittags und Nachmittags Marionettentheater auf italienisch. Für die Eltern bietet der Gianicolo-Hügel einen tollen Blick über die Stadt und den Vatikan, allerdings ist der Weg auf den Hügel mit Karre sehr beschwerlich!
Achtung: Die Parks in Rom haben feste Öffnungszeiten, viele sind in den Abendstunden geschlossen.

Bei schlechtem Wetter:
Explora – il museo dei Bambini – Rom hat ein Kindermuseuem, das Explora, mit einer Stadt in Kindergröße. Hier können Kinder selber Alltagsdinge ausprobieren, die auf ihre Größe angepasst sind. Anmeldung ratsam.
Casina di Raffaelo – in der Villa Borghese gibt es die Casina di Raffaelo, ein Spielhaus für etwa 3-10 Jährige mit Toberaum und Bücherecke
Time Elevator – für größere Kinder und natürlich Erwachsene gibt es den Time Elevator, ein 3D-Kino über die Geschichte Roms.

Babykram: Windeln, Feuchttücher, Gläschen gibt es in den Supermärkten. Milchpulver, Schnuller, Babyspielzeug in den Apotheken. Achtung: Die Geschmacksrichtungen der Gläschen unterscheiden sich von denen in Deutschland, so ist in den italienischen Menu-Gläschen häufig Zwiebel und Salz drin. Große Drogerien wie Rossmann oder Budni in Deutschland gibt es in Rom nicht.

Essen:
Restaurants: Die Römer lieben Kinder, es wird meist auch nicht als Störung empfunden, wenn ein Kind mal brüllt. Für Kinder werden auch gern halbe Portionen gemacht, selbst wenn diese nicht auf der Karte stehen. Aber: die meisten Restaurants sind innen sehr eng, selbst der kleinste Platz muss genutzt werden, sodass man mit Kinderwagen häufig keinen Platz findet. Viele Restaurants haben nicht durchgehend geöffnet, sondern machen abends erst gegen 19.30 auf – für viele Kleine zu spät. Wo sich die Römer häufig keine Mühe geben, sind die Restaurant-Toiletten. Häufig fehlt die Klobrille, einen Ort zum Wickeln gibt es erst recht nicht.
Eis: Ein Eis kostet hier etwa 2,50 Euro. Für Kinder werden auf Nachfrage auch kleine Portionen gemacht.

Zum Arzt:
Eine Liste deutschsprachiger Ärzte gibt es hier.

Fazit: Rom ist toll, verlangt Familien mit Kinderwagen aber eine gewisse Gelassenheit ab.

Arrivederci Roma!

Unsere Zeit in Rom geht zu Ende, wir ziehen weiter. Arrivederci, Du schöne, laute, impulsive Stadt mit beeindruckenden Gebäuden, einschüchterndem Straßenverkehr, schönen Läden, großen Parks, modischen Römern, die sogar ihre Hunde stets passend anziehen, herzlichen Menschen, grantigen Menschen. Eben mit allem, was eine Stadt mit geballtem Temperament so mit sich bringt. Und Arrivederci an unsere Wohnung, die für 6 Wochen unser zuhause war. Schön war´s bei Dir – auch wenn wir uns an Deine Bilder erst gewöhnen mussten.

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