Arrivederci Italia

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Kaum zu glauben, unsere 5 Monate in Italien sind rum. Als wir im Oktober starteten, kamen uns fünf Monate (!) so unendlich lang vor, und nun ist die Zeit im Eiltempo verflogen. Es war wunderschön  in diesem tollen Land, wir haben viel erlebt, viel unternommen und uns auch selber vielleicht noch etwas besser kennengelernt. Vor allem Venedig (und so einige Venezianer) haben wir ins Herz geschlossen und verabschieden uns nur ungern.

Aber unsere Familienauszeit soll noch weitergehen, also sagen wir nun „Arrivederci Italia“ und freuen uns auf den Teil unserer Reise, der noch vor uns liegt.

Die Italiener und die Mode

Die Italiener gelten gemeinhin als modisches Volk. Ich bin da keine Expertin. In unserem kleinen Bahnhofsviertel zuhause in Hamburg kenne ich mehrere Stylistinnen und Modefotografen, die könnten mir da bestimmt was zu sagen. Auch zu den aktuellen und kommenden Trends. Ich beobachte nur. Ob die Venezianer besonders gut angezogen sind, kann ich nicht mal sagen, denn auf den ersten Blick lassen sich diese kaum von den Tausenden von Touristen unterscheiden. Allein die älteren Damen hier sind mir aufgefallen: immer sehr elegant, schniekes Kostümchen, meist High-Heels dazu und eine Sonnenbrille – ebenso wie in Rom. In Rom gab es dazu etwas mehr an gewagter Mode: von Zehensocken in Flip-Flop-Sandalen und Pullovern die nur aus Woll-Zöpfen bestanden über Budapester-Schuhen mit weißer Plateau-Sohle bis hin zu Piercing-Unterwäsche, die in mehreren (normalen, wohlgemerkt) Schaufenstern angeboten wurde – da war so ziemlich alles vertreten.

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Je weiter wir in den Süden kamen, desto mehr Bling-Bling und Tiermuster hatten die Sachen. In Noto auf Sizilien trug Frau wahlweise Pullover oder Leggings mit Animal-Print und dazu gaanz viel Strass. (Junger) Mann hingegen führte seine Herrenhandtasche entweder zu Jogginghosen oder zu Jeans in Form von Dr. Alban-Gedächtnis-Hosen aus. Aber was weiß ich, vielleicht ist das ja auch in Hamburg momentan total in??? In einem waren sich die Italiener von Nord bis Süd aber einig: Hund geht nicht ohne – ich habe kaum einen Vierbeiner ohne einen schicken Wintermantel der Saison gesehen. Ja, ja, die Italiener und die Mode.

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Ein bisschen Sport muss sein

Das italienische Essen ist wirklich lecker, keine Frage. Und mein Mann kann auch so hervorragend kochen. Gefährlich! Denn jetzt hier, in Italien FDH zu machen oder zu fasten, ist keine Option. Also sollte man der Pasta mit ein wenig Sport entgegnen. Mein Mann macht das auch ganz fleißig, jeden zweiten Morgen steht er vor uns anderen auf, schmeißt sich in die Sportsachen und rennt los. Für mich ist das ja nichts. Ich hab es vor einiger Zeit mal ausprobiert, aber ich finde Laufen sowas von langweilig, dass ich mir während des Laufens immer schon Ausreden überlege, mit denen ich vor mir selber rechtfertigen kann, warum ich nicht weiterlaufe. Weitaus besser finde ich da spielerischen Sportarten wie Badminton, die aber auf Reisen ebenso schlecht zu machen sind, wie Kurse in einem Fitness-Studio. Also „turne“ ich vor dem Laptop. Ich stehe auf meiner blauen Yoga-Matte, ein Sporttrainer turnt mir via Youtube was vor und ich hoppel es nach. Allerdings unter erschwerten Bedingungen, denn vor mir hoppelt Tochter 1, die unbedingt mit turnen möchte. Während der Trainer nun also wilde Befehle wir „Single-Step-Touch!“ in den Raum ruft, zieht Tochter 1 erstmal die Socken aus, weil es ja sonst so rutschig ist. Dann läuft sie in ihr Zimmer, um sich Stopper-Socken zu holen, weil  ja sonst die Füße kalt werden. Tochter 2 robbt in der Zwischenzeit auch auf die Yoga-Matte und versucht, ein paar Flusen, die sie auf dem Boden gefunden hat, zu essen. Nachdem ich ihr diese abgerungen habe (vermutlich glaubt sie mittlerweile, sie heißt „Nein, das darf man nicht essen!“) weint sie und will auf den Arm. Der Trainer ruft seine Befehle unerbittlich weiter, ich hoppel nun mit Tochter 2  auf dem Arm. Tochter 1 ist mit den Socken zurück und braucht, nachdem ich ihr die aktuelle Schrittfolge erklärt habe,  – erstmal ein Glas Wasser. Eine Sporteinheit vergeht so wie im Fluge – so soll Sport doch auch sein. Und jetzt habe ich mir erstmal was richtig feines zu essen verdient. Am besten etwas Süßes für die Nerven.

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Der Selfie-Stick, ein Nachtrag

Ich habe bereits vor einiger Zeit über den Selfie-Stick berichtet, dessen Verbreitung hier ungeahnte Ausmaße annimmt. Sobald man an einer Touristenattraktion – und davon gibt es in Venedig viele – vorbeikommt, ist man umringt von fliegenden Händlern, die einem „Selfie-Selfie“ zurufen und die blöden Sticks unter die Nase halten. Nein, ich möchte keinen Selfie-Stick! Ich finde es viel netter, wenn man andere Leute fragt, ob sie ein Foto von einem machen können. Kommunikation ist das Zauberwort.

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Und Selfie-Sticks sind nicht nur blöd, sondern auch gefährlich!! Ha, wußte ich es doch! Vor ein paar Tagen habe ich es hier in der Zeitung gelesen, schwarz auf weiß! Es hat sich nämlich Folgendes zugetragen: Ein chinesischer Tourist hat sich mit einer Reisegruppe von 30 Leuten den Canal Grande angesehen. Und nein, er hat keinen seiner Landleute gefragt, ob jemand mal ein Foto von ihm machen könnte. Nein, er fotografierte sich selbst mit einem Selfie-Stick. Und dann kam es, wie es kommen musste: er fiel rückwärts in den Canal Grande. Mit seinem Selfie-Stick. Und was machten seine Kollegen? Nichts! Jedenfalls sprang keiner rein, um ihn aus dem kalten Wasser zu retten. (Man kann sich allenfalls vorstellen, dass sie alle ihre Kameras zückten.) Nein, wer hinterher sprang und den Herrn aus dem Wasser zog, war ein venezianischer Rentner, der auf dem Rückweg vom Einkaufen war.
Ich wage mal die wilde These, dass der Tourist trocken geblieben wäre, hätte er jemand anders gebeten, ein Foto von ihm zu machen. Der hätte ihn vermutlich gewarnt. Selfie-Selfie macht das nicht. Aber was tut man nicht alles für ein gutes Bild…

Karneval in Venedig

Ganz Venedig ist im Ausnahmezustand: es ist Karneval!

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Ich bin eher auf dem Beobachterposten, so als Nordlicht. Wir haben früher Fasching gefeiert. Das letzte Mal verkleidet war ich in der sechsten Klasse. Während Arbeitskollegen von mir jedes Jahr aufs Neue nach Kölle fahren, betrifft bei uns Fasching nur Tochter 1 im Kindergarten. Nun aber ist hier in Venedig das Karneval-Fieber um uns rum ausgebrochen. Menschen in wirklich tollen barocken Kostümen sind hier ebenso unterwegs wie Clowns, Spidermen, und Drags.

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Die Übergänge zum CSD sind fließend. Es ist aber kein großer Umzug hier mit Musik oder so. Die Leute flanieren in ihren Kostümen einfach so durch die Stadt und lassen sich fotografieren.

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Viele sind auch als Fotografen angereist. Mit Paparazzo-Teleobjektiven stehen sie vor den Verkleideten und knipsen was das Zeug hält. Letztere genießen es, im Rampenlicht zu stehen, drehen sich nach rechts, nach links, nehmen Passanten fürs Foto in den Arm. Am perfekten Gesichtsausdruck müssen sie nicht arbeiten, die meisten haben die typisch venezianischen Voll-Gesichts-Masken auf.

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Und dann sind da noch die Touristen, die nicht so wissen, was sie wollen. Uschi und Klaus-Dieter mögen sie wohl heißen. Mit dicker Winterjacke, er mit Herrenhandtasche, sie mit Rucksack und mit einer venezianischen, made in China-Maske, die sie sichn och schnell im Souvenirshop gekauft haben.

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Von diesen Uschis und Klaus-Dieters wimmelt es hier. Hmm, habe einen Stand mit Glühwein gefunden. Vielleicht finde ich dann ja auch die Verkleidung von Uschi und Klaus-Dieter schön…

Land unter

Gestern war hier Land unter. Regen von oben, Böen von der Seite, Acqua Alta von unten. Eigentlich das richtige Wetter, um es sich Zuhause auf dem Sofa gemütlich zu machen.
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Oder eben, zu dem seit einiger Zeit vereinbarten Termin beim Kinderarzt zum Impfen von Tochter 2 zu waten. Schon früh morgens tönten die Sirenen, um das Hochwasser anzukündigen. In einigen Gassen und auf dem Markusplatz werden dann Holzstege aufgebaut, damit man zumindest auf einigen Wegen trockenen Fußes vorankommt. Wir haben uns also in unsere Friesennerze und Gummistiefel geschmissen, Tochter 2 in den Tragerucksack gesteckt und GoogleMaps bemüht, uns den  Weg zum Kinderarzt zu weisen. Und wir stiefelten los. Als Hamburger wissen wir, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung, also stemmten wir uns gegen den Wind und wateten durch die Wassermassen. Aus den Läden, an denen wir vorbeizogen, lief aus Rohren das Wasser wieder raus. Wir passierten Touristen, die sich auf die schnelle Plastiküberzieh-Stiefel in Pink und Orange gekauft hatten und durch die Gegend schlürften. Wir kamen in einen Teil der Stadt, in dem keine Holzstege mehr waren und das Wasser so hoch stand, dass Tochter 1 das Wasser bis zur Mitte der Oberschenkel ging, also musste auch sie getragen werden. Wathosen haben wir dann doch nicht. Dann teilte GoogleMaps mit „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ – und wir standen vor San Polo 2903. Leider wollten wir aber zu San Polo 1837. In Venedig gibt es nämlich keine Straßennamen. Beziehungsweise, die paar, die es gibt, werden nicht benutzt. Venedig wird eben nur in seine 6 Stadtteile (Sestiere) eingeteilt und dann sind die Häuser durchnummeriert. Das ist, als würde man in Hamburg nach St. Pauli 4711 wollen. Also riefen wir den (sehr netten) Kinderarzt an, der uns übers Telefon zu sich dirigierte. Wir durchquerten Gassen, in denen uns das Wasser in die Gummstiefel lief und der Höhepunkt vom Hochwasser war doch noch nicht erreicht. Zuweilen musste man aufpassen, nicht einfach weiter geradeaus zu gehen, denn die Kanäle waren von den Gassen kaum noch zu unterscheiden.
Mit einiger Verspätung kamen wir beim Dottore an, der uns mit den Worten „Und ich dachte, ihr Deutschen wärt immer so pünktlich“ begrüßte. Da saßen wir nun im Sprechzimmer des Kinderarztes, die Füße bis zu den Knöcheln im Wasser. In der Praxis, wohlgemerkt! Der Arzt erzählte uns, dass die Leute bei noch stärkerem Hochwasser nur mit dem Boot in seine Praxis kämen. Während Tochter 2 uns diesen Ausflug wegen des Impfens eher übelnahm, fand Tochter 1 das Ganze großartig und spielte auf dem Nachhauseweg mit einer gefundenen Gemüsekiste und einem Seil Boot fahren.
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Sie will jetzt immer bei Acqua Alta raus. Aber sie wünscht sich eine Wathose. Unbedingt. Für den Fall, dass wieder Land unter ist.

Heimweh

Da saßen wir also im sonnigen Sizilien. Und fragten uns, ob wir dort noch länger verweilen wollten. Oder doch noch was anderes sehen. Wir sahen uns an und hatten den gleichen Gedanken: wir hatten ein wenig Heimweh. Nein, nicht nach Deutschland. Obwohl es dort neben vielen lieben Menschen auch so einige Dinge gibt, die wir vermissen (Bettdecken, Quark, Nordseekrabben…). Nein, wir hatten Heimweh nach Venedig!

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Dieses kleine Städtchen hat uns gefangen genommen, die kleine Wohnung in Cannareggio ist unser Zuhause geworden und wir haben hier Freunde gefunden. Was liegt da näher, als in unserer italienischen Lieblingsstadt erneut Halt zu machen, vertraute Orte zu besuchen, wieder Neues zu entdecken und den Karneval in Venedig  auf uns wirken zu lassen. Hier ist es kalt und regnerisch. Aber herrlich. Wir sind ein bisschen Zuhause.