Land unter

Gestern war hier Land unter. Regen von oben, Böen von der Seite, Acqua Alta von unten. Eigentlich das richtige Wetter, um es sich Zuhause auf dem Sofa gemütlich zu machen.
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Oder eben, zu dem seit einiger Zeit vereinbarten Termin beim Kinderarzt zum Impfen von Tochter 2 zu waten. Schon früh morgens tönten die Sirenen, um das Hochwasser anzukündigen. In einigen Gassen und auf dem Markusplatz werden dann Holzstege aufgebaut, damit man zumindest auf einigen Wegen trockenen Fußes vorankommt. Wir haben uns also in unsere Friesennerze und Gummistiefel geschmissen, Tochter 2 in den Tragerucksack gesteckt und GoogleMaps bemüht, uns den  Weg zum Kinderarzt zu weisen. Und wir stiefelten los. Als Hamburger wissen wir, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung, also stemmten wir uns gegen den Wind und wateten durch die Wassermassen. Aus den Läden, an denen wir vorbeizogen, lief aus Rohren das Wasser wieder raus. Wir passierten Touristen, die sich auf die schnelle Plastiküberzieh-Stiefel in Pink und Orange gekauft hatten und durch die Gegend schlürften. Wir kamen in einen Teil der Stadt, in dem keine Holzstege mehr waren und das Wasser so hoch stand, dass Tochter 1 das Wasser bis zur Mitte der Oberschenkel ging, also musste auch sie getragen werden. Wathosen haben wir dann doch nicht. Dann teilte GoogleMaps mit „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ – und wir standen vor San Polo 2903. Leider wollten wir aber zu San Polo 1837. In Venedig gibt es nämlich keine Straßennamen. Beziehungsweise, die paar, die es gibt, werden nicht benutzt. Venedig wird eben nur in seine 6 Stadtteile (Sestiere) eingeteilt und dann sind die Häuser durchnummeriert. Das ist, als würde man in Hamburg nach St. Pauli 4711 wollen. Also riefen wir den (sehr netten) Kinderarzt an, der uns übers Telefon zu sich dirigierte. Wir durchquerten Gassen, in denen uns das Wasser in die Gummstiefel lief und der Höhepunkt vom Hochwasser war doch noch nicht erreicht. Zuweilen musste man aufpassen, nicht einfach weiter geradeaus zu gehen, denn die Kanäle waren von den Gassen kaum noch zu unterscheiden.
Mit einiger Verspätung kamen wir beim Dottore an, der uns mit den Worten „Und ich dachte, ihr Deutschen wärt immer so pünktlich“ begrüßte. Da saßen wir nun im Sprechzimmer des Kinderarztes, die Füße bis zu den Knöcheln im Wasser. In der Praxis, wohlgemerkt! Der Arzt erzählte uns, dass die Leute bei noch stärkerem Hochwasser nur mit dem Boot in seine Praxis kämen. Während Tochter 2 uns diesen Ausflug wegen des Impfens eher übelnahm, fand Tochter 1 das Ganze großartig und spielte auf dem Nachhauseweg mit einer gefundenen Gemüsekiste und einem Seil Boot fahren.
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Sie will jetzt immer bei Acqua Alta raus. Aber sie wünscht sich eine Wathose. Unbedingt. Für den Fall, dass wieder Land unter ist.

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