NHS – Now we Have the Salat

Lesestaebchen heute mal mit einem Gastbeitrag des werten Gatten:

Ich weiß nicht mehr genau wann der Moment gekommen war, an dem ich aufgegeben und mich dem National Health System (NHS) geschlagen gegeben habe. Wahrscheinlich ungefähr dann, als ich die Wunden an meinen blutigen Fingern geleckt habe und das stereotype, aber immer äußerst höfliche „Unfortunately not!“, das die ganze Zeit aus dem Telefonhörer quoll, zu Schnappatmung und Augenzucken bei mir führte. Dabei ging es bei den gefühlt tausend Telefonaten mit Kliniken, Apotheken und Arztpraxen um etwas ganz Banales: FSME-Impfungen für unseren Auszeitsommer in Schweden.

Eine Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wurde uns von vielen Seiten für unsere Schwedenzeit empfohlen und nach der harten Schule medizinischer Auslandserfahrungen in Italien (wie berichtet) dachten wir, es sei doch ein Leichtes, drei Impfdosen für jeden von uns noch schnell in den einzelnen englischen Auszeitstationen Isle of Wight, Cornwall und Wales verpasst zu bekommen. Alles eine Frage der Planung. Zu diesem Zeitpunkt kannten wir das NHS noch nicht.

Als unsere Entscheidung zur FSME-Vollimunisierung mittels dreier Impfdosen innerhalb von 21 Tagen gefallen war (Schnellschema), wurde das Handy gezückt und zu allererst das örtliche Krankenhaus angerufen. Wo sollte man die gebündelte medizinische Kompetenz besser finden können? Nun, dort jedenfalls nicht. Das Krankenhaus besteht aus unabhängigen Clinics, die den anfangs noch motivierten deutschen Auszeit-Touristen in geschickter aber immer äußerst höflicher Art und Weise von der einen zur anderen krankenhausinternen Clinic verwiesen. Irgendwann war klar, dass ich dort nicht mehr als ein„Unfortunately not!“ erwarten konnte. Zuletzt wurde mir noch auf den Weg mitgegeben, ich solle es doch mal in einer Apotheke versuchen oder eine Travel Clinic konsultieren.

Die Apotheken hätten uns wirklich schrecklich gerne geimpft, aber leider leider waren die Nurses immer nur zur Impfung von Überzwölfjährigen zertifiziert. Das Raster war deutlich zu grob für unsere Lütschen.

Was also tun? Wir befragten unsere Vermieter auf der Isle of Wight. Diese meinten, dass sie für Impfungen immer zu einem Allgemeinmediziner gingen. Ich habe also den erstbesten Allgemeinmediziner angerufen, der ungefähr auf unserer Strecke zwischen der Isle of Wight und Cornwall lag. Dort konnten wir aber„Unfortunately not!“ geimpft werden, weil wir ja schließlich den Allgemeinmediziner aufsuchen müssten, der für unseren jeweiligen Aufenhaltsort zuständig sei. Aha? Hier hat das National Health System das erste mal zugeschlagen.

Die NHS Website bietet eine komfortable Suche der zuständigen Allgemeinmediziner. Das englische Postleitzahlensystem ist dabei tatsächlich sehr hilfreich. Als also endlich ein zuständiger Allgemeinmediziner gefunden war, hieß es zunächst einmal warten. Nein, nicht in der üblichen Telefonschleife, sondern bis zum nächsten Tag, weil die Nurse erst dann wieder da sei und mich dann gerne zurückrufen würde. Was dann einen Tag später nicht folgte war – richtig geraten – der Rückruf. Mittelschwer enttäuscht rief ich also wieder an. Die Nurse hätte mich„Unfortunately not!“zurückrufen können, weil ich ja eine ausländische Mobilnummer habe. Hätte ich mir eigentlich auch selbst denken können – oder hätten sie mir auch am Tage vorher sagen können. Als ich endlich die Nurse am Apparat hatte, konnte sie mir nur mitteilen, dass sie in dieser Praxis „unfortunately“ gar keine FSME-Impfungen machen würden. Ich sollte es mal bei einem anderen Allgemeinmediziner versuchen oder bei der Travel Clinic.

Zu diesem Zeitpunkt kam der einleitende Satz „Hello, my name is Roman Henze. I’m a german tourist and I’d like to…“ bereits wie aus der Pistole geschossen.

Ich wollte dem NHS und seinen Allgemeinmedizinern noch eine Chance geben. Zwischenzeitlich hatte ich schon an Bestechung gedacht. Aber als Privatpatient ist das doch schon so eine Art Bestechung, oder nicht? Meine letzten Versuche mit den diversen Allgemeinmedizinern verliefen allesamt gleich: Entweder wurden keine FSME-Impfungen durchgeführt oder man wusste noch nicht einmal was das denn genau sei. Zwischenfazit: Travel Clinic konsultieren…

Als ich mich dann erstmals an die Travel Clinic wandte, fing so langsam die Schnappatmung an. Anders als Allgemeinmediziner, gibt es in South-West England und Wales vielleicht eine Handvoll Travel Clinics, die laut Website allesamt tatsächlich auch FSME-Impfungen anbieten. Auf eine Website und „tolle“ Online-Services wird im britischen Medizinsystem scheinbar sehr viel Wert gelegt. Bei Masta Travel Clinics gab es wieder die komfortable Suche nach einer nahegelegenen Travel Clinic – huch, das sind aber wenige. Um nun einen Termin bei einer Travel Clinic zu buchen, musste man sich zuerst online durch eine Immunisierungs-Survey kämpfen, die als Ergebnis brachte, dass es zu überlegen sei, ob man sich als Reisender nach Schweden gegen FSME impfen lassen sollte. Sag ich doch. Hurra! Ein erster Erfolg – dachte ich. Ich fing also sofort an, unsere geplanten Stationen in UK (Isle of Wight, Cornwall und Wales) mit den Standorten der Masta Travel Clinics sowie dem Dreiwochen Schnellimpfschema zu matchen. Könnte passen, dachte ich, und kühnste Träume von immunisierten deutschen Auszeittouristen in Schweden kamen in mir hoch. Doch der nächste Dämpfer ließ nicht lange auf sich warten: Die erste Travel Clinic war nur an 1,5 Tagen in der Woche geöffnet und war nicht per Online-Service buchbar. Hier hätte ich wieder einen Tag warten müssen um anzurufen. Es wurde also die nächste matchende Travel Clinic rausgesucht, für die tatsächlich Online-Services vorhanden waren. Allerdings musste hier vor einer Online-Terminbuchung eine telefonische Beratung durch eine Nurse erfolgen. Hierzu schnell im Online-Formular eine Uhrzeit und die Telefonnummer eingeben. „Die britische Festnetznummer bitte!“ „Die britische Festnetznummer bitte!!“ „Die britische Festnetznummer bitte!!!“ Ich habe die Fehlermeldung mehrfach übersehen – das Augenzucken hatte mich zu dem Zeitpunkt wohl schon etwas behindert. Na dann rufe ich da halt an und spreche mit der Nurse. Das war aber „unfortunately not“ possible. Ich möchte doch bitte das Online-Formular… Mit einem Zittern in der Stimme und gar nicht mehr soviel Mut, rief ich dann am Tage drauf bei der zuerst ausgewählten Travel Clinic an. Eine freundliche Dame war bereit, sich meinen ganzen Auszeit-Schweden-Kram anzuhören und hat mir dann in gekonnt britischer Höflichkeit mitgeteilt, dass eine Impfung bei Masta Travel nach dem deutschen Impfschema„Unfortunately not!“ possible sei – und eine Vollimmunisierung nach britischem Schema frühestens nach 5 Monaten erreicht werden könne.

Featured image

Argghhh! Ich erinnere mich noch daran, wie ich zu Frau und Kindern in den Garten gestürmt bin und irgendwas von „Schweden“ und „können wir wohl vergessen“ von mir gegeben habe. Gutes Zureden seitens der Gattin sowie eine Tasse Cream Tea halfen dann eine bessere Lösung zu finden: Wir brechen unsere UK-Zeit nach Cornwall verfrüht ab, fahren für drei Wochen nach Deutschland, lassen und von der Ärztin unseres Vertrauens die erforderlichen Impfdosen verpassen und brechen dann Mitte Juni vollimmunisiert Richtung Vimmerby / Schweden auf.

Schade um Wales und Snowdonia.

Danke NHS – Now we Have the Salat

Ein Gedanke zu „NHS – Now we Have the Salat

  1. ….oh oh, da haben die Zecken ja schon vorher überall lecker gebissen und alle, die du am Telefonhörer hattest, waren infiziert….armes National Health System….! Es wäre eine fast
    logische Erklärung….

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s