Hej Hej

Die Aussprache der schwedischen Wörter gibt mir häufig Rätsel auf. Während wir uns in England (gut) und in Italien (einigermaßen) in der jeweiligen Landessprache verständigen konnten, stoßen wir in Schweden an unsere Grenzen. Denn wir sprechen weder Schwedisch, noch eine verwandte Sprache.
Klar, viele Wörter erkennt man, wenn man sie liest. So waren wir letzte Woche in einem Restaurang essen und wenn man wieder raus möchte, nimmt man den Utgång. Aber an vielen Stellen hilft uns unser Wörterbuch nicht weiter, nämlich dann, wenn es um die Aussprache geht. Oder wusstet Ihr, dass das schwedische „K“ häufig gar nicht wie ein deutsches „K“ ausgesprochen wird, sondern wie ein „Ch“ (z.B. wie in „ich“)? Jahrelang dachte ich, bei Ikea würde man noch schnell ein paar Köttbullar essen, dabei sind es doch „Chötbullar“. (Naja, ich esse meist einen Hot Dog.)
Auch als wir versuchten, die schwedische SIM-Karte für’s Breitband-Internet zum Laufen zu bringen, hatten wir so unsere Schwierigkeiten, denn die Anleitung wies uns zwar auf englisch darauf hin, dass wir zum Freischalten die Servicehotline anrufen sollten, die Computerstimme dort sprach aber leider nur schwedisch.
Zum Glück sprechen unsere Nachbarn hier, wie viele Schweden, hervorragendes Englisch, so dass wir nicht vollkommen „lost in translation“ sind.
Und zur weiteren Einstimmung auf dieses schönes Land kochen wir jetzt auch ab und an schwedisch. Nach unserem einzigen Schwedisch-Kochbuch. Die Zimtwecken nach Petterson und Findus waren wirklich sehr lecker.
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Und wer weiß, vielleicht lernen wir ja in der Zeit hier auch tatsächlich etwas mehr Schwedisch als nur „Hej Hej„.

Wieder unterwegs

Kaum zu glauben: nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit in Good Old Germany sind wir wieder unterwegs. Schweden unser Ziel, genauer Småland in Südschweden.
Unser feuerrotes Auto haben wir beladen wie noch nie: Neben unserem üblichen Gepäck für mehrere Monate samt Kinderstuhl und Matratze fürs Babybett haben wir diesmal unsere Fahrräder, einen Fahrradsitz für Tochter 2 und unser Familien-Kanu dabei. Größere Einkaufserlebnisse werden in Schweden ausfallen, wir wüssten nicht, wie wir noch etwas unterbringen sollten.

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So machten wir uns also auf den Weg. Und Tochter 2 ist kein kleines Baby mehr ist, das den Tag auch mal verschläft, sondern mittlerweile 1 Jahr alt. Als durchsetzungsstarke junge Dame ist sie der Meinung, tagsüber nicht länger als anderthalb Stunden in einem Autositz verharren zu können – und diese Meinung vertritt sie lautstark! Also wurden wir zu Nachtfahrern. Nun ist das Nacht-Fahren sicherlich sinnvoll, wenn man bereits die Schlüssel seines Domizils hat und es egal ist, wann man Nachts oder Frühmorgens ankommt. Schwieriger wird es, wenn man das Ferienhäuschen erst morgens gegen 11 Uhr übernehmen kann, man aber bei einer normalen Geschwindigkeit von 120 km/h Nachts gegen vier angekommen wäre. Was also tun? Wir entschieden uns für´s langsame Fahren und zuckelten des Nachtens erst durch Dänemark dann durch Schweden. Und ich war letztlich auch froh über diese vermeintliche Langsamkeit, als vor mir 2 Wildschweine auf der ansonsten leeren Autobahn standen. (Die Wildschweine waren vermutlich ebenso froh, heil davon gekommen zu sein). Frühmorgens – es war so gegen viertel vor Sieben – kamen wir an, frühstückten noch, schauten uns ein wenig das Nachbarstädtchen an und konnten dann endlich unser Bilderbuch-Schwedenhäuschen beziehen. Die Kinder waren schön entspannt und ausgeruht, nur wir Eltern hatten da so unsere Schwierigkeiten (mit Staunen denke ich an meine Studienzeit zurück, in der ich auch gern mal von der Party direkt am nächsten Morgen zur Uni ging).

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In diesem süßen kleinen Haus, tief im Wald und doch ganz nah an einem Badesee werden wir nun den Sommer verbringen (in der Hoffnung, dass der bald mal kommt…).

Abitreffen

Vor einigen Wochen erreichte mich eine E-Mail mit dem Betreff „20-jähriges Abitreffen“.
In einer ersten Schrecksekunde dachte ich „Oh jeh, das kann doch nicht wirklich schon sooo lange her sein?“ Gefühlt ist das doch gerade erst gewesen – ja gefühlt ist man an den 20 Lenzen immer noch deutlich dichter dran als an den 50. Und doch, Abi 95 ist tatsächlich schon so lange her.

Das Organisations-Team leistete ganze Arbeit, kontaktiere die Schule und erreichte, dass wir dort feiern konnten, Schulführung, Grill-Catering und Mitnahme der Abiklausuren inklusive. Und um wirklich allen gerecht zu werden, wurde per Doodle-Umfrage zuvor nicht nur über das genaue Datum abgestimmt, sondern auch das Ess-Verhalten abgefragt. Fleisch? Kein Fleisch? Vegetarisch? Oder gar vegan? Es wurde an alles gedacht.
Nach einem Käffchen und einem Stück Kuchen folgte die Schulführung durch die alten ehrwürdigen Hallen – und die neu hinzugekommenen. Start war in dem modernisierten Musikraum. Ach, da wurden Erinnerungen an Herrn O. wach, der während der Stunde immer kurz in dem Instrumentenraum verschwand, um – sagen wir mal so – seine Stimme ein wenig zu ölen. Als die Dame, die uns nun durch die Räumlichkeiten führte darauf hinwies, dass der Raum sehr gelungen sei, „weil er wirklich gut schluckt“ ahnte sie nichts von der Doppeldeutigkeit.
Die Führung ging weiter durch Physik- und Chemielabore. An diese Räume habe ich eher rudimentäre Erinnerungen, mehr an die dazugehörigen Lehrer… An Herrn F. zum Beispiel, der versuchte, uns Achtklässlern die Relativitätstheorie näher zu bringen. Oder an Herrn N. („Wer noch auf dem Boden liegen kann, ohne sich festzuhalten, ist noch nicht betrunken“), der in einem Halbjahr sage und schreibe 6 Schülern aus meiner Klasse eine 6 in Chemie gab. Chemie habe ich danach abgewählt.
Beim anschließenden Grillen wurden viele nostalgische Erinnerungen wach. An die Projektfahrt nach Tschechien, bei der wir versehentlich in einem Hotel einquartiert wurden, in dem die Nachbarzimmer stundenweise vermietet wurden, und einer der beiden betreuenden Lehrer bei einem Ausflug einfach irgendwo aus der Bahn ausstieg, weil er die Gegend so interessant fand. Wir haben sage und schreibe zwei Stunden nach ihm gesucht.
Oder die Segelreise, bei der das Segelboot beinahe mit einem Frachter kollidierte, und einige Mitschüler fast die ganzen 10 Tage mit der Seekrankheit zu kämpfen hatten.

Ach, es war schön, alle mal wieder zu sehen. Und es fühlte sich tatsächlich an, als wären alle eine große Familie. Einfach schön. Freue mich auf´s nächste Treffen. Und hoffentlich nicht erst in 10 Jahren.

Camping an der Ostsee

Das Wetter ist momentan – sagen wir mal – verbesserungswürdig.
Umso erfreulicher war da, dass ausgerechnet am 1. Geburtstag von Tochter 2 Sonne satt angesagt war. Wir entschieden uns spontan, an die Ostsee auf einen Campingplatz zu fahren.
Ach, da wurden alte Erinnerungen wach, an den ersten Urlaub ohne Eltern mit meiner Freundin Nicole: Camping in Grömitz. Grillen auf der Zeltwiese, stundenlanges Bräunen in der Sonne (Hatten wir früher eigentlich auch mal schlechtes Wetter?), abends Parties und Nasi Goreng und Cola zum Frühstück. Ersten Liebeskummer gehabt und und gemeinsam geheult zu „Flugzeuge im Bauch“ von Herbert Grönemeyer.
Und nun also Oststee-Camping mit meinem Liebsten und unseren Mädchen. Der Campingplatz war toll, keine 30 Meter zum Strand, ein Einkaufsladen und saubere Sanitäranlagen. Da hat sich in den letzen Jahren echt einiges getan. Kinderbäder, Kinderbadewannen, Spielplatz, Sportplatz und in den Ferien Animationsprogramm für die Kinder, und für die Eltern Massage, Pediküre undundund. Unglaublich. Und für die Leute, die doch lieber in richtigen Betten schlafen wollen, gibt es auch kleine Hütten zu mieten. Ist das noch Camping oder doch schon Glamping? Für die Kinder jedenfalls ein Paradies und für Tochter 2 ein toller Geburtstag: den ganzen Tag bei herrlichstem Wetter im Sand buddeln und erst Unmengen von Blaubeeren und dann Würstchen futtern.

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Und wir betrachten bei einem Glas Weisswein staunend die Nachbarn. Kaum einer ohne Satellitenschüssel auf dem Wohnwagen und die erstaunlichsten Reisebegleiter: Rechts und links von uns Hunde, 2 Plätze weiter ein ständig vor sich hinplappernder Graupapagei undschräg gegenüber Kaninchen, die abends dann einzeln in Bett gebracht wurden. „Schlaf schön, Rosa! Gute Nacht Rocky! Mama ist nicht weit entfernt!“ Tochter 1 fand das Leben um uns herum so spannend, dass sie ihren Liegestuhl direkt in Richtung des Nachbarwagens ausrichtete. Und das glückliche Geburtstagskind hat den Nachbarhunden zugebellt. Für alle ein rundum gelungener Ausflug.

Auf´m Dorf

Das Leben in unserem kleinen schleswig-holsteinischen Dorf ist anders als das Leben  in unserem „Dorf“ in Hamburg. Tochter 1 kann im Grünen rumspringen und wir sitzen Abends mit einem Glas Wein auf der Terrasse mit Blick auf eine Kuhweide. Alles scheint hier etwas langsamer, das fängt schon beim Internet an, das hier nahezu unauffindbar ist. Glücklicherweise haben wir einen kleinen Fahnenmast im Garten, an dem hissen wir nun abends statt einer Fahne ein Handy und mit etwas Glück kommen wir dann so mit dem Laptop für einen kurzen Moment ins Netz. Entschleunigung auf allen Wegen, selbst der Müll wird hier nur im 2-Wochen-Rhythmus abgeholt. Umso erstaunter waren wir, als wir die Einladung vom örtlichen Sportverein erhielten  (ja, dieses Dorf mit seinen 328 Einwohnern hat tatsächlich einen eigenen Sportverein!) unser Sportabzeichen abzulegen. Moment, unser Was??? Richtig gelesen, unser Sportabzeichen. Mein letztes Sportabzeichen habe ich schätzungsweise in der achten Klasse gemacht. Und nun soll ich 3,70 Meter weit springen,einen Schleuderball mehr als 28 Meter weit werfen und 10 Kilometer in 71 Minuten laufen. Also ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wann ich das letzte Mal überhaupt 10 Kilometer gelaufen bin, ich habe ein sehr schönes Fahrrad. Als ich das unserer Nachbarin erzähle, die immerhin schon 71 ist, lud sie mich ein, mit dem Sportverein doch mal „Nordisch Walken“ zu gehen (stellt euch dies bitte schön norddeutsch ausgesprochen vor). Nein, ich glaube, da trainiere ich mit Tochter 1 lieber weiter hinter verschlossenen Türen und dann, wenn ich soweit bin, werde ich vielleicht mal wieder ein Sportabzeichen machen. Ob es da neben Bronze, Silber und Gold auch eine „Naja-Sie-hat-es-zumindest-versucht-Medaille“ gibt?