Von der Hand in den Mund

Hier im schönen Schweden werden wir zumindest was das Obst angeht, beinahe zu Selbstversorgern. Nachdem wir die letzten Wochen immer wieder leckere Walderdbeeren gepflückt haben – Tochter 1 meint, sie schmecken wie eine Mischung aus Erdbeere und Waldmeister – ist nun Blaubeerzeit und im hier angrenzenden Wald gibt es unzählige Blaubeerbüsche. Herrlich, sag ich Euch!
Wir haben uns mittlerweile auch einen „Blaubeerkamm“ zugelegt, mit dem man die Dinger hervorragend pflücken kann, ohne hinterher auszusehen, als sei man Statist in einem Vampirfilm gewesen. Obwohl das Naschen beim Pflücken natürlich auch dazu gehört, schwarze Zunge ist sozusagen Pflicht.
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Heute haben uns unsere netten Nachbarn dann noch einen Korb frisch gepflückter Pfifferlinge vorbeigebracht, das war ein Festmahl!
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Und Himbeer-, Preiselbeer- und Stachelbeersträucher haben wir auch schon entdeckt.
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Ach, wir sind kulinarisch auf jeden Fall im Glück.

Auf den Spuren von Astrid Lindgren: Bullerbü

Tochter 1 liebt die Geschichten von Astrid Lindgren, besonders Bullerbü. Und nun sind wir hier im schönen Småland und nur wenige Kilometer entfernt ist das echte Bullerbyn. Hier ist der Vater von Astrid Lindgren aufgewachsen und hier stehen Nordhof, Mittelhof und Südhof. Was liegt da näher, als sich das mal anzusehen? Wir waren gespannt auf die Reaktionen von Tochter 1. Sieht hier alles tatsächlich so aus wie im Film? Und würde sie insgeheim hoffen, die Bullerbü-Kinder hier zu treffen? Um es vorwegzunehmen: sie fand es toll! Die 3 Höfe sehen tatsächlich so aus, wie im Film, nur kamen sie uns sehr viel kleiner vor. Etwa so, wie wenn man als Erwachsener auf den Spielplatz seiner Kindheit zurückkehrt und vor der fürchterlich hohen Rutsche steht. Die Häuser selbst konnte man sich nur von außen ansehen, denn sie sind alle bewohnt (Wobei das Wohnen dort bei den Touristenmassen, die da täglich vorbeikommen und sich vor den Häusern fotografieren, sicherlich nicht so entspannt ist).

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Aber in einer Scheune ist ein nettes Café, im Garten steht eine große Schaukel und auf dem Heuboden können die Kinder nach Herzenslust herumspringen. Ja, genau, der Heuboden, auf dem die Bullerbü-Kinder im Film mal übernachtet haben. Kleine Kaninchen kann man sich anschauen und im Hühnergehege waren gerade Küken geschlüpft. Tochter 1 möchte unbedingt nochmal herkommen. Aber vielleicht fahren wir ja erstmal nach Katthult, und schauen uns an, wo Michel sein Unwesen trieb.

Tierisches Landleben

Unser Häuschen liegt direkt an einem kleinen Wäldchen. Wir haben nur zwei Nachbarn, ein Lehrerehepaar, die hier ein kleines Sommerhaus haben, und ein Ehepaar, das hier dauerhaft lebt. Direkt hinter unserem Haus ist eine kleine Schafsweide, ein Stück weiter weg stehen Kühe in einem kleinen Birkenwäldchen. Der dazugehörige Bauer kommt mehrmals täglich vorbei, um nach seinen Tieren zu sehen. Wohnen tut er hier nicht mehr, seiner Frau war es zu einsam hier und so zogen sie vor einigen Jahren weiter in die nächste Ortschaft.
Abends machen wir oft noch einen Abendspaziergang und pflücken Walderdbeeren. Tochter 1 meint, sie schmecken wie eine Mischung aus Erdbeeren und Waldmeister.

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Und morgens wecken uns häufig die Schafe mit ihrem Blöken – oder Tochter 2, wenn sie die Schafe sieht, und das vermeintlich dazugehörige Geräusch (Schnalzen mit der Zunge wie Pferdegetrappel) macht. Nur heute morgen war was anders. Kein Geblöke, stattdessen hatte ich morgens um sechs ein lautes „Muuh“ im Ohr. Fast so, als stünde eine Kuh direkt neben mir. Hatte ich das geträumt? Nein, da war es schon wieder. Ich stieg aus dem Bett und schaute zusammen mit Tochter 2, die ebenfalls wach geworden war, aus dem Fenster in Richtung Straße. Und siehe da: überall Kühe! Der Bauer wollte seine Kühe wohl zu einer anderen Weide treiben oder waren die Kühe gar ausgebüxt? Auf jeden Fall standen sie jetzt mitten in unserem Garten! Zwei schauten zu mir durchs Fenster, zwei andere leckten die Wasserpfützen vom Gartentisch. Allein die Babyschaukel war ihnen unheimlich, da trauten sie sich nicht ran. Tochter 2 fand das ganze ungemein spannend und schnalzte laut. Nur, als wir die Haustür öffneten, um bessere Fotos machen zu könnten, gaben die Kühe Gas und galoppierten davon.

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Und da soll nochmal einer sagen, auf dem Land sei nichts los.

Auf der Suche

Ich bin auf der Suche. Nahezu ständig. Und dabei rede ich nicht von der Suche nach dem Sinn des Lebens oder einer neuen Wohnung oder so, sondern nach Dingen.

Ich gebe zu, ich bin nicht die ordentlichste Person unter der Sonne. Gelegentlich rufe ich sogar mein Handy an, weil ich nicht weiß, wo ich es zuletzt hingelegt habe (- nur blöd, wenn man es vorher stumm geschaltet hat). Und als wir während unseres Zwischenstopps in der Heimat einen alten Rucksack vom Dachboden holten und ich darin einen lang vermissten und mittlerweile verloren geglaubten Schlüsselbund wieder gefunden habe, war die Freude groß.

Die Suche jetzt hingegen nimmt andere Dimensionen an: Tochter 2 versteckt Sachen. Pausenlos!
Und hat einen irrsinnigen Spaß dabei. Während ich ihr in Burano (Italien) noch unterstellt habe, den Schnuller in den Kanal geschmissen zu haben, um an diesen wunderschönen Ort noch einmal zurück zu kehren, wie es andere Leute mit Münzen am Trevi-Brunnen in Rom machen, weiß ich nun: sie hat einfach eine helle Freude daran, Sachen wegzuwerfen oder eben zu verstecken. Das etwas fehlt, merken wir meist, wenn wir irgendwo hin wollen. Wo ist ihre Trinkflasche? Wo sind ihre Schuhe? Den Schnuller habe ich unter dem Staudensellerie im Kühlschrank gefunden, die Trinkflasche im Küchenschrank bei den Töpfen, die Schuhe in der Spielzeugkiste. Wenn ich sie frage, wo sie denn wohl mit den Sachen geblieben ist, schaut sie mich mit ihren Kulleraugen an und grinst. Beim Suchen helfen tut sie nicht. Und ich bin weiter auf der Suche.

Und ich zieh´so meine Kreise

Der Sommer ist da! Wer hätte das für möglich gehalten, der Sommer gibt sich tatsächlich die Ehre. Während in Deutschland alle bei weit über 30 Grad brüten, haben wir angenehme 28 Grad, die wir an einem kleinen Badesee verbringen. Davon gibt es hier unzählige, fast alle mit Badplats, Umkleidehäuschen und WC, einige sogar mit kleinem Kiosk. Schwimmen, Bootfahren, Angeln (mit Angelkarte) –  und einen Grillplatz gibt es dort auch. Also alles, was das Herz begehrt. (Wäre doch toll, wenn es sowas in der Heimat auch gäbe).
Wir machen es uns im Schatten der Bäume gemütlich, Tochter 1 übt das Schwimmen, Tochter 2 sitzt im seichten Wasser, planscht und ruft laut „Aaaaahh“ – ihr Ausdruck dafür, wenn sie etwas richtig toll findet – (Sprechen ist was für die anderen).
Zwischendurch steigen wir alle vier in unser Kanu und paddeln über den See zu einer kleinen Insel. Tochter 2 macht das im Kanu schon richtig gut mit und sitzt in ihrer dicken Schwimmweste brav im Boot, vor allem, wenn wir etwas Eßbares für sie dabei haben. Tochter 1 hingegen thront meist wie eine Gallionsfigur auf dem Bug des Bootes, einen Kescher in der Hand, in der Hoffnung, einen Barsch zu fangen.

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Wieder am Badplats angekommen, steigen meine Lieben aus, nur ich bleibe allein im Boot. Ich bin bislang stets mit meinem Mann zusammen gepaddelt, einer links einer rechts, ganz einfach die Sache. Nun meint mein Liebster, es sei an der Zeit, dass ich das Kanu auch allein vom Fleck bekommen soll. Und tatsächlich – ich komme vom Fleck. Genauso wie jemand, der mit nur einem Ruder im Ruderboot sitzt, ziehe ich herrliche Kreise durch den See. Mal ganz klein, mal etwas größer, dank des Windes (welch´nette Unterstützung) komme ich aber immer wieder zur Badestelle zurück. Mein Mann gibt sein Bestes, mir vom Land aus den Paddelschlag zu erklären und das Geradeaus-Fahren beizubringen. Wenn er paddelt, sieht das so einfach aus.

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Aber ich werde besser, meine Kreise werden von Tag zu Tag größer und die Erde ist ja bekanntlich rund, irgendwo muss man ja sowieso abbiegen. Und wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja bald mal allein bis zur Insel und zurück. Ansonsten muss ich halt zurückschwimmen. Schwimmen kann ich ja.