Zuhause

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Wir haben es tatsächlich getan: wir sind wieder zuhause, nach einem Jahr des Reisens. Ist das gut? Ist das schlecht? Noch ist es ein irreales, nicht greifbares Gefühlswirrwarr. Ich gebe zu, der Wechsel hätte  kaum markanter ausfallen können. Von der schwedischen Idylle direkt am Wald mit nur zwei Nachbarn zurück in die pulsierende Mitte Hamburgs. In unser Dorf direkt am Hauptbahnhof, mittiger geht es kaum.

Tochter 1 war ganz aufgeregt, endlich hatte sie ihre Freunde wieder, endlich ihr Spielzeug und endlich ist sie ein Vorschulkind.

Für Tochter 2 hingegen war Hamburg die ersten Tage wohl eher ein kleiner Kulturschock: in unserem schwedischen Domizil hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, allen vorbeifahrenden Autos zuzuwinken. Das waren am Tag vielleicht so drei, vier Stück. Zurück in Hamburg war sie nach wenigen Minuten der Verzweiflung nahe. Wie viele Autos kommen da denn noch? Nahe am Burnout hat sie das Winken hat sie mittlerweile aufgegeben. Dafür weiß sie den Weg zum Portugiesen mit dem leckeren Gebäck schon sehr genau.

Wir freuen uns, unsere Freunde und Nachbarn nach so langer Zeit wieder zu sehen, versuchen langsam dem Wäschenbergen Herr zu werden, wundern uns nach einem Jahr Minimalismus darüber, wie viele Sachen wir haben und genießen es, mal wieder im eigenen Bett zu schlafen. Und haben das Gefühl, doch gerade eben erst losgefahren zu sein. Kann es sein, dass ein Jahr so schnell vorbei ist? Es kribbelt schon wieder in den Beinen und man könnte doch nochmal, bevor Tochter 1 in die Schule kommt… Aber nein, jetzt sind wir erstmal zuhause. Auch schön.

Tschüss Schweden

Tschüss Schweden, Du Land von Pippi Langstrumpf, Bullerbü, Petterson und Findus, IKEA und Kurt Wallander. Du Land mit wunderbarer, atemberaubender Natur, klaren Badeseen, großen Felsen, riesigen Elchen, roten Häusern und fabelhaften Campingplätzen.

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Mit Walderdbeeren, Blaubeeren, Preiselbeeren und Pfifferlingen vor der Tür. Mit wunderbaren Menschen gleich nebenan, großer Herzlichkeit und lustigen Festen. Mit einem „Du“ zu jedem – außer zur Königsfamilie. Mit leckerem Essen, unendlich vielen Zimtwecken (Kanelbullar) einem unglaublichen Hang zu Mayonnaise (fast zu allem, außer zu Köttbullar), mit Supermärkten ohne Alkohol (naja, jedenfalls nur bis 3,5% Alkohol, alles andere im Systembolaget), aber unzähligen Trinkliedern. Wir hatten eine tolle Zeit, die 3 Monate sind wie im Fluge vergangen. Wir werden Dich vermissen. Aber – wir sehen uns wieder. Bis dahin, hej då!

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In der Astrid Lindgren-Welt

Wir haben einen Ausflug in die Astrid Lindgren-Welt gemacht. Eigentlich haben wir sogar einen zweiten Ausflug dahin gemacht, denn unser erster Versuch vor wenigen Wochen scheiterte 3 Kilometer vorher im Stau. Nun also: an einem Freitag im September, ein Besuch an dem Ort, an dem alle Handlungsorte der Astrid Lindgren-Geschichten für Kinder nachgebaut wurden.

Unsere Kinder waren im Glück. Schon am Eingang begegneten wir der Prusseliese. Wir spazierten durch die Krachmacher Straße und begutachteten den Berg, den Klein-Lotta mit Tante Bergs Fahrrad hinunter geradelt ist. Dann schauten wir uns das Haus von Lotta an und konnten sogar einen Blick in ihr Kinderzimmer werfen. Nebenan im Haus von Tante Berg lag noch das Strickzeug auf dem Tisch und wenige Häuser weiter im Gefängnis schnarchte ein Sträfling in seiner Zelle.

In der Villa Kunterbunt trafen wir auf Kling und Klang, die zwei Polizisten, die gerade versuchten, Pippi Langstrumpf einzufangen, um sie ins Kinderheim zu bringen.

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Zum Glück kam auch gerade ihr Vater Kapitän Langstrumpf vorbei, denn sein Schiff die Hoppetosse hatte im Hafen angelegt.

Obwohl die kleinen Theaterstücke auf schwedisch waren, schauten unsere Töchter gebannt zu und als Pippi Langstrumpf dann auch noch zu singen anfing, war Tochter 2 nicht mehr zu halten und tanzte wild mit.

Weiter ging es zu Madita, und anschließend zu Michel – der in Schweden Emil heißt und in Deutschland vermutlich wegen „Emil und die Detektive“ umbenannt wurde. Michel bekam gerade seinen Kopf nicht mehr aus der Suppenschüssel und wurde zum Doktor gebracht.

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Nur kurze Zeit später zog er seine Schwester Ida am Fahnenmast hoch, damit diese bis in die Nachbarstadt Mariannelund schauen konnte.

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Tochter 1 stockte der Atem, denn das kleine Mädchen, das die Ida darstellte, wurde tatsächlich am Fahnenmast hochgezogen. Unglaublich, oder? Karlsson vom Dach trat in kleinen Wettbewerben gegen die Besucherkinder an und Tochter 1 versuchte sich an dem Nicht-den-Boden-berühren-Parcour, genau so wie es die Kinder in Bullerbü immer taten.

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Ein Besuch in der Astrid Lindgren-Welt können wir alle nur empfehlen. Es ist ein Themenpark für Kinder und zwar ohne Halligalli-Getöse, Zuckerwatte und Karussell sondern er nimmt Groß und Klein mit in die Heile-Welt-Geschichten von Astrid Lindgren, nicht mehr und nicht weniger.

Ein bisschen schwedisch

Die schwedische Sprache ist gar nicht mal so einfach, finde ich. Einige Worte sind den deutschen Pendants zwar sehr ähnlich, andere bedeuten hingegen etwas völlig anderes.
Wie wäre es zum Beispiel mit des Norddeutschen liebster Insel? Nein, ich meine nicht Mallorca, sondern Sylt. Sylt ist hier nämlich Marmelade.
Oder ein bisschen Öl zum Abendessen? Nicht zu verwechseln mit Olivolja. Das schwedische Öl ist nämlich Bier.
In einem Café las neulich ein deutscher Papa seinem Sohnemann die Speisekarte vor: Schau mal, hier gibt es Sandwich mit Schinken und Obst („Skinka och ost“). Wäre auch mal eine interessante Mischung, allerdings meint das schwedische Ost den Käse.
Und Kaka? Das ist natürlich der Kuchen.
Und Semester haben hier alle, nicht nur Studenten, das bedeutet nämlich Urlaub.

Zum Glück haben wir auch hier John Glade aka Google Translate dabei. Sicher ist sicher.

Kräftskiva

Kräftskiva, das Krebsessen im August, hat in Schweden Tradition. Das lernt  man spätestens, wenn man die Bullerbü-Bücher liest. Es ist sogar ein richtiges Fest. Es gibt in Salzwasser und Dill gekochte Krebse mit Brot, Käse und ordentlich zu Trinken.
Aber dafür geht man nicht in ein Restaurant. Nein, dieses Fest feiert man zuhause oder mit Freunden. Und so freuten wir uns riesig, als uns unsere lieben Nachbarn hier (die sind wirklich großartig) zu Kräftskiva einluden.

Überall hingen Lampions, der Tisch war bunt geschmückt und wir bekamen bunte Hütchen auf. Mitten auf dem Tisch stand ein riesiger Teller mit vielen kleinen Krebsen – und direkt dahinter eine illustre Auswahl an Aquavit. Denn, so lernten wir, nach jedem Krebs trinkt man einen Schnaps. (Ja, tatsächlich! Na dann Prost!) Und zu jedem Schnaps singt man ein Trinklied. So kamen wir nicht nur in den Genuss eines leckeren Essens sondern auch schwedischer Trinklieder samt Gitarrenbegleitung. Es gab sogar ein Trinklied, das als Melodie “O Tannenbaum”  hatte – der Text ging aber eher so: “Nun trink mal schön, nun trink mal schön…” Wir sangen lauthals mit. Es war herrlich. Nur Tochter 2, die ordentlich Krebs futterte, war das Gesinge etwas suspekt und sie schüttelte immerzu den Kopf, wenn wieder ein neues Lied angestimmt wurde. Tochter 1 hingegen fand es super.

Es war ein wundervoller Abend bei neuen Freunden. Sowas sollten wir vielleicht auch mal in Hamburg einführen. Eine Gitarre haben wir ja schonmal…