Der Herbst ist da

Mit schnellen Schritten und prächtigen Farben ist der Herbst angekommen. Tochter 1 übt fleißig ihr Repertoire an Herbstliedern und Laterneliedern und auch Nikolauslieder dürfen nicht fehlen – man muss sich dem Sortiment im Supermarkt ja anpassen und die Weihnachtszeit kommt bekanntlich schneller als man denkt.

Wir haben unseren Apfelbaum abgeerntet. Seitdem essen wir fleißig Apfelmus, Apfelkuchen, Salat mit Apfel drin und was uns sonst noch so einfällt.

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Leider ist die Herbstzeit auch die Erkältungszeit und so lag Tochter 2 mit Fieber flach, selbstverständlich genau in der Woche, in der unsere Kinderärztin Urlaub hatte. Die Vertretung war in einem anderen Stadtteil und so machten wir uns auf die gefühlt weite Reise, hinaus aus der Heimat hinein in… Ja, wie soll ich es nennen. Sagen wir mal so: mich hat jedenfalls keiner vorgewarnt. Im Wartezimmer saßen wir nun also mit Elliot und Aiden und Julian (engl., bitte) und wie sie alle so hießen. Tochter 2 war die einzige ohne Pelzkragen und ihre Lackschühchen hatten wir auch gerade nicht zu Hand 😉 , ich fiel unmöglicherweise durch den kompletten Mangel an Gucci, Prada und Consorten auf. Anschließend schoben wir durch den Regen zurück zur U-Bahn, vorbei an diversen amerikanischen Kaffeehausketten, in denen die Latte Macchiato-Gesellschaft gerade vermutlich ihren Jahrestag feierte, so voll war es dort.

Glücklicherweise war Tochter 2 schnell wieder fit, so dass sie bald mit Tochter 1 an der Alster und in den Parks auf Kastanien-, Haselnuss- und Eichelsammlung ging, die es am Wochenende zu verbasteln gilt. Vorausgesetzt, zum Basteln ist dann noch was übrig. Tochter 2 hat die Ausbeute akribisch sortiert, wieder neu sortiert und auf alle möglichen und unmöglichen Schränke verteilt. Eine Handvoll Kastanien habe ich in der blinkenden Waschmaschine gemeinsam mit ihrem Plastikteller gefunden, unter dem Klavierdeckel waren ein paar Eicheln. Der Herbst hält auch in der Wohnung so manche Überraschungen bereit.

Wie man sich bettet

Wie man sich bettet, so liegt man. Wir liegen des Nachtens nach einem Jahr Reisen wieder ganz entspannt in unserem eigenen Bett. Naja, ganz entspannt ist vielleicht etwas übertrieben, denn ganz entspannt kann man es sicherlich nicht nennen, wenn Tochter 2 wach ist und wir sie zu uns legen, damit sie im gemeinsamen Kinderzimmer nicht auch noch Tochter 1 weckt. Tochter 2 turnt dann – gar nicht müde – mitten in der Nacht durch unser Bett. Es ist ganz erstaunlich, wie sehr das Kind, fest in einen Schlafsack eingepackt, Turnen kann. David Copperfield wäre sicherlich beeindruckt. Dann endlich, schläft sie irgendwann wieder ein. Und zwar, darauf kann man bei kleinen Kindern wetten, quer im Bett. Im Netz kursiert dazu ein lustiges Bild, und allen Menschen ohne Kind sei gesagt, das ist wirklich so. Wir rollen uns, so gut es geht, zusammen und versuchen irgendwie noch etwas Schlaf zu bekommen, bis uns der Wecker aus demselbigen reisst. Aber immerhin, wir liegen in unserem Bett. Bequem, gemütlich, perfekt.

Das war im letzten Jahr nicht immer so. So eine lange Reise durch Europa ist auch eine Reise durch verschiedene Betten. Andere Länder, andere Betten, sozusagen.
In Rom hatten wir ein Bett, da hing die Matratze samt Lattenrost fast bis auf den Boden durch. Man rollte unweigerlich in die Mitte. Und wenn alle Wege ja bekanntlich immer nach Rom führten, führten in diesem Bett alle Wege in die Mitte. Wir haben dem so gut es ging entgegengewirkt und sämtliche Telefonbücher, Stadtpläne, Zeitschriften und sogar einen großen Kochtopf zur Unterstützung des geplagten Lattenrostes unter diesen geschoben.
Auf Sizilien wurde es noch schlimmer, da war die gesamte Unterbettkonstruktion aus Metall, das sich aneinander rieb. Jedes Umdrehen wurde mit einem so lauten Knatschen bedacht, dass Tochter 2, die mit ihrem Babybett bei uns im Schlafzimmer untergebracht war, sofort wach war.
Sowohl in Italien als auch in England hatte man außerdem keine Bettdecke, sondern ein dünnes Laken mit Wolldecke darüber. Man zieht an dem einen, das andere verrutscht, man wühlt sich fest, und so richtig frisch waren die Wolldecken meist auch nicht.
In Schweden hatten wir, welch´ Freude, ein recht bequemes Bett und sogar mit Bettdecke! Das böse Erwachen kam beim Bettwäschewechsel, denn bei diesen Betten war der Lattenrost fest mit der Matratze verbunden. Keine Ahnung welcher Depp sich das hat einfallen lassen, eine bettwäschewechselnde Hausfrau sicher nicht. Zum Wechseln des Lakens musste man nämlich alles anheben, Krafttraining nichts dagegen.
Nun liegen wir also wieder, wie herrlich, in unserem Bett. Und Tochter 2 wird irgendwann die Quittung für ihre nächtliche Ruhestörungen bekommen. Vielleicht, wecken wir sie im Teenageralter Sonntags morgens immer um 8, wenn sie am Abend vorher tanzen war? Irgendwas fällt uns da sicher ein…

Ein Dorf namens St. Georg

Unser Dorf hat uns wieder. Ich spreche immer von „unserem Dorf“, dabei ist es  einer der dicht besidelsten Stadtteile Hamburgs, direkt am Hauptbahnhof. Gefühlt befinden sich fast alle Hamburger Hotels hier in unserem Viertel, das in Reiseführern gern als „Stadtteil mit internationalem Flair“ beschrieben wird. Ständig sieht man verirrte Touristen umherlaufen, häufig old school mit einem Stadtplan in der Hand, gern Richtung Schwanenwik laufend auf der Suche nach der Elbe, wahlweise nach dem Rathaus. Und doch leben wir hier wie „auf´m Dorf“. Fast jeder kennt jeden. Nach Jahren mit Hund und nun schon ein paar Jahren mit Kind kennen wir jedenfalls die meisten Hundebesitzer und die meisten Eltern. Die Betreiber der Läden sowieso. Denn in St. Georg unterstützt man die alten und kleinen Geschäfte. Wir geben die Wäsche bei Martina ab, kaufen bei Jan den Wein und bei Wohlers die Bücher. Wir essen bei Franco, frühstücken bei Caravela und treffen uns nachmittags auf dem Spielplatz. Unsere Kinder gehen zusammen in die Kita oder singen gemeinsam im Chor. So soll sich das anfühlen. Von wegen Anonymität in der Großstadt. Herzlichkeit und Wärme lautet die Devise. Und so finde ich es ganz großartig, dass unser Stadtteil hilft, in diesen Zeiten, in denen viele Menschen von ihrem Zuhause fliehen mussten, mit nichts, als den Sachen, die sie am Körper tragen. Es wird warme Suppe gekocht, für die Flüchtlinge, die nach langer Odyssee hier ankommen – auf der Weiterreise gen Schweden, die umliegenden Hotels machen abwechselnd mit. Das Schauspielhaus, die naheliegende Moschee und die Kirchen bieten Schlafplätze und es gibt einen Bus, in dem Mütter in Ruhe ihre Kinder Stillen können. St. Georg hilft. Unser Dorf. Danke.