Beim Hamburger Krimifestival

Sonntagsabends darf man mich nach Viertel nach Acht nicht mehr stören, Tatort-Zeit. Ich liebe Krimis. Thriller auch. Manchmal zum Leidwesen meines Liebsten, denn während ich es auch mal blutrünstig und hochspannend mag, verlässt er in solchen Momenten vorsichtshalber den Raum. Und ich liebe Lesungen, komme nur leider viel zu selten dazu. 2 kleine Kinder, das sagt doch alles.

Umso größer war meine Freude, als das Hamburger Krimifestival anstand. Vor 2 Jahren habe ich dort Sebastian Fitzek und Michael Tsokos mit „Abgeschnitten“ gesehen und gehört, ganz großartig war das – allerdings nichts für Leute, die kein Blut sehen können und eine zu bildliche Vorstellung vom Gehörten haben. Dieses Jahr hat eine Freundin von mir die Lesung ausgesucht und wir waren bei der „Großen amerikanischen Thrillernacht“.

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Es begann mit Jilliane Hoffman und ihrem Roman „Samariter„, die Autorin las englische Passagen, der Schauspieler Tim Grobe die deutschen. Vom Plot klang das alles sehr spannend: eine Frau fährt nach einer Familienfeier nachts mit ihrer kleinen schlafenden Tochter auf dem Rücksitz nach Hause. Sie fährt durch Zuckerrohrplantagen während draußen ein Sturm tobt. Sie kann kaum was sehen, ist müde und macht kurz Halt. Da klopft es an ihre beschlagene Scheibe. Sie wischt sich ein wenig Sicht frei und hört, wie die Frau zu ihr sagt: „Bitte helfen Sie mir“. – Soweit so gut, so spannend. Und dann fing etwas an, mich zu stören. Denn es folgten detailgenaue Beschreibungen der hilfesuchenden Frau und ihres Verfolgers aus der Perspektive der Frau im Auto. Einschließlich der Farbe von Kleidung und Tätowierungen und Piercings. – Und das bei einem Sturm, mitten in der Nacht? Also bitte. Das brachte mich so raus, dass das Vorgelesene mich kaum noch zu packen vermochte. Ob ich das Buch lesen werde? Ich weiß noch nicht.

Nach einem kurzen Interview mit der Autorin, dass eine Dame der veranstaltenden Buchhandlung sagen wir mal „leger“ übersetze – es fehlten so einige Sachen, die im Englischen doch eben noch da waren – folgte der amerikanische Schriftsteller Jason Starr mit seinem Buch „Phantasien„. Dies spielt in der Savage Lane, also der rüden Gassen. Wir erfuhren, dass Mark mit Deb verheiratet ist, aber eigentlich von Karen träumt. Und seine eifersüchtige Deb hat derweil eine Affäre mit einem Teenager. Tim Grobe las den deutschen Part mit so viel Herzblut – vor allem die witzigen Dialoge des streitenden Ehepaars – das man sich fühlte, als stünde man mittendrin. Oder eben als stünde man direkt zwischen den Desperate Housewives. Sehr kurzweilig und unterhaltsam. Aber sollten das nicht die Krimitage sein? Ein Blick ins Internet half – irgendwann wird die Geschichte wohl noch zum Thriller. Mal schauen. Das kommt auf jeden Fall auf die Lese-  oder zumindest Hörbuchliste. Hören muss ich das dann aber allein, mein Mann, ihr wisst schon.

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