Kalt und nass

Es ist Vorweihnachtszeit. Und wäre diese als solche nicht schon anstrengend genug, ist es kalt und nass. Um mit beiden Kindern das Haus zu verlassen, brauche ich eine gefühlte Stunde. Kaum habe ich die Kinder in die Zwiebel-Lagen-Bekleidung gestopft, Strumpfhose, Jeanshose und je nach Niederschlagsart Schnee- oder Regenhose darüber – eine Ausrüstung, die Roald Amundsen bei seiner Polarexpedition sicherlich vor Neid hätte erblassen lassen – sagt Tochter 1: „Mama, ich muss doch noch mal schnell auf´s Klo.“ Herrlich. Also alles wieder ausziehen. Mir ist mittlerweile in meiner Winterjacke so heiß, dass ich kurz überlege, ob jetzt vielleicht doch eher Flip Flop-Wetter ist. Für Eltern zumindest.

Tochter 1 ist wieder da, wir können los. Eigentlich. Würde sich Tochter 2 nicht mit aller Kraft am Fahrrad von Tochter 1 festklammern, dessen Sattel sie stolz erklommen hat. Erstaunlich, wie viel Kraft man mit anderthalb schon haben kann. Hebe ich Tochter 2 hoch, hängt unten ein Fahrrad dran. Mit Argumentation ist ihr nicht beizukommen, sie schüttelt nur immer wieder den Kopf. Also muss ich vorsichtig die Fingerchen einzeln abpulen und bestenfalls etwas  von Interesse anbieten – vorzugsweise etwas zu essen und das vorzugsweise in herzhaft. Leider habe ich nicht immer Kapern oder ein Stück Parmesankäse in der Handtasche. Warum eigentlich nicht? Das muss ich optimieren, das kommt auf die To Do-Liste.

Gut, Tochter 2 ist wieder frei, wir können los. Ich schaue auf den Kinderwagen. Jetzt die Kleine anschnallen und in den Fusssack stecken? Bei dem bloßen Gedanken daran wird mir schon wieder warm. Sollte jemals ein Test zur Elterntauglichkeit eingeführt werden, müssen da unbedingt das Ankleiden eines quirligen Babies mit einem Strampler mit Druckknöpfen und das Anschnallen eines zappelnden Kleinkindes mit auf die Liste. Also falls jemand mal sowas plant, ich hätte da auch noch ein paar mehr Ideen.

Ich entscheide mich lieber für den Bollerwagen. Bollerwagen aus dem Haus getragen, beide Kinder rein und los geht´s. Endlich. Erst zum Spielplatz, dann zum Supermarkt. So sieht mein Nachmittag aus. Auf dem Weg komme ich an einem Glühweinstand und überlege kurz. Nein, alleine Glühweintrinken macht man nicht. Nach einer halben Stunde auf dem kalten Spielplatz frage ich mich, warum eigentlich nicht?
Tochter 2 ist derweil hingefallen und liegt in ihrer Michelin-Männchen-Winterausrüstung wie einer Käfer auf dem Rücken und versucht, wieder aufzustehen. Ich sammle die Töchter ein und ziehe den Bollerwagen zum Supermarkt. Dort angekommen schnappen sich die Mädchen jedes einen Kindereinkaufswagen. Während Tochter 1 mit meinem Handy in der Hand die Einkaufsliste abarbeitet, packt Tochter 2 alles in den Wagen, was ihr gefällt. Kollateralkäufe in Form von Teelichtern und Servietten bei Ikea sind nichts dagegen.

Endlich verlassen wir vollbepackt den Supermarkt. Es geht wieder nach Hause. Und ich überlege kurz, ob der Weihnachtsmann dieses Jahr seine Einkäufe nicht mal selbst tätigen kann. Mir ist das echt zu anstrengend. Höchstens in Flip Flops und mit Glühwein. Dann könnten wir nochmal drüber reden.

4 Gedanken zu „Kalt und nass

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