Abitreffen

Vor einigen Wochen erreichte mich eine E-Mail mit dem Betreff „20-jähriges Abitreffen“.
In einer ersten Schrecksekunde dachte ich „Oh jeh, das kann doch nicht wirklich schon sooo lange her sein?“ Gefühlt ist das doch gerade erst gewesen – ja gefühlt ist man an den 20 Lenzen immer noch deutlich dichter dran als an den 50. Und doch, Abi 95 ist tatsächlich schon so lange her.

Das Organisations-Team leistete ganze Arbeit, kontaktiere die Schule und erreichte, dass wir dort feiern konnten, Schulführung, Grill-Catering und Mitnahme der Abiklausuren inklusive. Und um wirklich allen gerecht zu werden, wurde per Doodle-Umfrage zuvor nicht nur über das genaue Datum abgestimmt, sondern auch das Ess-Verhalten abgefragt. Fleisch? Kein Fleisch? Vegetarisch? Oder gar vegan? Es wurde an alles gedacht.
Nach einem Käffchen und einem Stück Kuchen folgte die Schulführung durch die alten ehrwürdigen Hallen – und die neu hinzugekommenen. Start war in dem modernisierten Musikraum. Ach, da wurden Erinnerungen an Herrn O. wach, der während der Stunde immer kurz in dem Instrumentenraum verschwand, um – sagen wir mal so – seine Stimme ein wenig zu ölen. Als die Dame, die uns nun durch die Räumlichkeiten führte darauf hinwies, dass der Raum sehr gelungen sei, „weil er wirklich gut schluckt“ ahnte sie nichts von der Doppeldeutigkeit.
Die Führung ging weiter durch Physik- und Chemielabore. An diese Räume habe ich eher rudimentäre Erinnerungen, mehr an die dazugehörigen Lehrer… An Herrn F. zum Beispiel, der versuchte, uns Achtklässlern die Relativitätstheorie näher zu bringen. Oder an Herrn N. („Wer noch auf dem Boden liegen kann, ohne sich festzuhalten, ist noch nicht betrunken“), der in einem Halbjahr sage und schreibe 6 Schülern aus meiner Klasse eine 6 in Chemie gab. Chemie habe ich danach abgewählt.
Beim anschließenden Grillen wurden viele nostalgische Erinnerungen wach. An die Projektfahrt nach Tschechien, bei der wir versehentlich in einem Hotel einquartiert wurden, in dem die Nachbarzimmer stundenweise vermietet wurden, und einer der beiden betreuenden Lehrer bei einem Ausflug einfach irgendwo aus der Bahn ausstieg, weil er die Gegend so interessant fand. Wir haben sage und schreibe zwei Stunden nach ihm gesucht.
Oder die Segelreise, bei der das Segelboot beinahe mit einem Frachter kollidierte, und einige Mitschüler fast die ganzen 10 Tage mit der Seekrankheit zu kämpfen hatten.

Ach, es war schön, alle mal wieder zu sehen. Und es fühlte sich tatsächlich an, als wären alle eine große Familie. Einfach schön. Freue mich auf´s nächste Treffen. Und hoffentlich nicht erst in 10 Jahren.