Ein Wörterbuch

Tochter 2 wird ein Krippenkind. Vor wenigen Tagen hat die Eingewöhnung begonnen, die sie auf den „Ernst des Lebens“ vorbereiten soll. Zunächst in unserer Begleitung wird sie ein, zwei Stunden in der Kita sein, dort mit den anderen Kindern spielen und dann wieder nach Hause gehen. Langsam wird sie an das Dableiben gewöhnt. Im Vorgespräch wurden wir geben, zu notieren, was sie mag und was nicht. Was sie so spricht – und was nicht. Und das ist gar nicht so einfach.
Denn: während Tochter 1 sprach, bevor sie laufen konnte, und seitdem (gefühlt) ununterbrochen redet, ist Tochter 2 eher wortkarg. Und wenn sie spricht, dann in ihrer Sprache, die alle Unwissenden gefälligst zu lernen haben. Klar, ein paar Worte hat sie aus unserer Sprache übernommen. Tisch, Milch, Buch, Geld, Mama, Papa, das ist einfach. Aber dass Dada, Nana und Nee Puppe, Schnuller und Schnee bedeuten, muss man erst mal lernen. Ihr liebstes Hobby ist das Tütschern, das Planschen mit Wasser. Wenn sie in die Wohnung kommt, ruft sie laut Awa (Hallo) und will ihre Pupu, ihre Hausschuhe haben. Sie lässt sich auch nicht korrigieren. Sagt man: Sag doch mal „Hallo“, sagt sie „Awa“. Das kann man stundenlang durchexerzieren und es führt eher dazu, dass man am Ende selber Awa antwortet.

Damit sie auch in der Kita verstanden wird, haben wir also ein Wörterbuch Tochter 2 – Deutsch geschrieben. Obwohl, manchmal überrascht Tochter 2 uns schon. Als wir neulich überlegten, was wir wohl essen sollten, rief sie „Sushi“. Aber vielleicht ist das Wort Sushi auch ein Internationalismus, also ein Wort, das in mehreren Sprachen gleich lautet und eben auch in der Tochter 2-Sprache.

Bleibt abzuwarten, welche Sprache sich letztlich durchsetzt.

In diesem Sinne: ! (Tschüß)

Das Weihnachten meiner Kindheit

Advent, Advent. Jetzt leuchten schon drei Kerzen am Adventskranz, wir waren beim traditionellen Singen zur „Illumination des Tannenbaumes“ bei unserer Kita, haben Plätzchen gebacken und einen Baum gekauft. Puh! Tochter 1 probt fleißig für das Krippenspiel, bei dem sie in diesem Jahr zum ersten Mal mitmachen darf. Während die Kinder diesen Weihnachtszauber und vor allem den Adventskalender lieben, habe ich das Gefühl, das Ganze rauscht mit ICE-Geschwindigkeit an mir vorbei.
Früher war doch alles…. Aber war Weihnachten früher tatsächlich geruhsamer und entspannter? Bei uns in der Familie wohl kaum, auch wenn ich als Kind die Weihnachtszeit sehr geliebt habe. Ich habe Weihnachten immer mit meiner Mutter und meinen Großeltern gefeiert, im Wochenendhäuschen meiner Großeltern auf dem Land zwischen Kühen und Schafen. Das klingt jetzt mal sehr kuschelig, aber da gibt es noch eine wichtige Sache zu sagen: Was anderen Leuten Freitag der 13. ist, war für meinen Opa der 24. Dezember. Kaum ein Heiligabend verging bei uns ohne Katastrophen und so mancher endete gar in der Notaufnahme.

Meine Großeltern hatten damals zusammen mit meiner Mutter ein Bekleidungsgeschäft mitten in St. Georg. Am 24. war bis zum Mittag noch geöffnet, für alle, die es bislang versäumt hatten, die obligatorischen Krawatten und Socken zu kaufen. Alle Angestellten waren da und meine Oma hatte zudem noch Geburtstag. Kunden kamen, Gratulanten kamen, zum Essen gab´s Kartoffelsalat und Würstchen, letztere standen zum Warmhalten auf der Heizung. Kaum war Mittags der Laden zu, stiegen wir alle ins Auto und fuhren ins Grüne. Angekommen ging unser erster Weg zum Bauern, um unseren vorbestellten Tannenbaum abzuholen. In einem Winter, ich erinnere mich gut: lange Gesichter. Wir hatten es versäumt, den Baum vorzubestellen. Es war keiner mehr da. Oder doch? Hinten in der Ecke stand ein kleines schiefes Tännchen und wollte mit. Nun, wir hatten einen prima Tannenbaumständer. „Das geht schon“, sagte Opa. Und tatsächlich schaffte er es, das Bäumchen aufzustellen. Wir schmückten es mit Kugeln, Figuren, Lametta und Kerzen. Herrlich sah der Baum aus. Und dass er nicht so gerade gewachsen war, fiel gar nicht mehr auf – Bis er sich langsam und anmutig in die Gardinen neigte, die kurz darauf lichterloh in Flammen standen. Zum Glück war meine Oma eine sehr patente Frau und hatte stets einen großen Eimer Wasser neben dem Tannenbaum stehen, so dass sich der Schaden in Grenzen hielt.

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Im darauffolgenden Jahr kamen wir gar nicht so weit, gemeinsam unterm Baum zu sitzen. Denn als wir ankamen, schob mein Opa das Garagentor schwungvoll hoch, das genauso schwungvoll zurückschlug. Den Großteil dieses Heiligabends verbrachten wir in der Notaufnahme.

Aber wir waren lernfähig. Es folgte ein Weihnachten mit elektrischen Kerzen und der Wagen wurde draußen geparkt. Risikominimierung an Heiligabend! Endlich konnten wir uns mal auf das Beisammensein und die Geschenke konzentrieren. Die Schwester meines Opas hatte ihm etwas ganz besonderes ausgesucht: einen englischen Schaukelstuhl, der extra per Schiff aus England kam. Dick gepolstert und mit Cord bezogen, ein schickes Teil. Da er einige Zeit vor Heiligabend angeliefert worden war, versteckten meine Oma und meine Mutter ihn in der Garage. An Heiligabend wurde das gute Stück, das in Packpapier verhüllt und mit einer großen Schleife versehen war, nun reingeholt. Und während mein Opa sein tolles Geschenk auspackte, sprang eine kleine Schar panischer Mäuse raus, die sich in ihrem neuen Zuhause gestört fühlten. Wir sprangen auf´s Sofa und schrien. Den restlichen Abend waren wir auf Mäusejagd, aber es dauerte sehr lange, bis wir sie alle hatten.

So waren die Weihnachten meiner Kindheit. Wir setzten die Tradition nun in dem kleinen Häuschen im Grünen fort. Hoffen wir mal, dass es nicht ganz so turbulent wird wie früher.

 

Kalt und nass

Es ist Vorweihnachtszeit. Und wäre diese als solche nicht schon anstrengend genug, ist es kalt und nass. Um mit beiden Kindern das Haus zu verlassen, brauche ich eine gefühlte Stunde. Kaum habe ich die Kinder in die Zwiebel-Lagen-Bekleidung gestopft, Strumpfhose, Jeanshose und je nach Niederschlagsart Schnee- oder Regenhose darüber – eine Ausrüstung, die Roald Amundsen bei seiner Polarexpedition sicherlich vor Neid hätte erblassen lassen – sagt Tochter 1: „Mama, ich muss doch noch mal schnell auf´s Klo.“ Herrlich. Also alles wieder ausziehen. Mir ist mittlerweile in meiner Winterjacke so heiß, dass ich kurz überlege, ob jetzt vielleicht doch eher Flip Flop-Wetter ist. Für Eltern zumindest.

Tochter 1 ist wieder da, wir können los. Eigentlich. Würde sich Tochter 2 nicht mit aller Kraft am Fahrrad von Tochter 1 festklammern, dessen Sattel sie stolz erklommen hat. Erstaunlich, wie viel Kraft man mit anderthalb schon haben kann. Hebe ich Tochter 2 hoch, hängt unten ein Fahrrad dran. Mit Argumentation ist ihr nicht beizukommen, sie schüttelt nur immer wieder den Kopf. Also muss ich vorsichtig die Fingerchen einzeln abpulen und bestenfalls etwas  von Interesse anbieten – vorzugsweise etwas zu essen und das vorzugsweise in herzhaft. Leider habe ich nicht immer Kapern oder ein Stück Parmesankäse in der Handtasche. Warum eigentlich nicht? Das muss ich optimieren, das kommt auf die To Do-Liste.

Gut, Tochter 2 ist wieder frei, wir können los. Ich schaue auf den Kinderwagen. Jetzt die Kleine anschnallen und in den Fusssack stecken? Bei dem bloßen Gedanken daran wird mir schon wieder warm. Sollte jemals ein Test zur Elterntauglichkeit eingeführt werden, müssen da unbedingt das Ankleiden eines quirligen Babies mit einem Strampler mit Druckknöpfen und das Anschnallen eines zappelnden Kleinkindes mit auf die Liste. Also falls jemand mal sowas plant, ich hätte da auch noch ein paar mehr Ideen.

Ich entscheide mich lieber für den Bollerwagen. Bollerwagen aus dem Haus getragen, beide Kinder rein und los geht´s. Endlich. Erst zum Spielplatz, dann zum Supermarkt. So sieht mein Nachmittag aus. Auf dem Weg komme ich an einem Glühweinstand und überlege kurz. Nein, alleine Glühweintrinken macht man nicht. Nach einer halben Stunde auf dem kalten Spielplatz frage ich mich, warum eigentlich nicht?
Tochter 2 ist derweil hingefallen und liegt in ihrer Michelin-Männchen-Winterausrüstung wie einer Käfer auf dem Rücken und versucht, wieder aufzustehen. Ich sammle die Töchter ein und ziehe den Bollerwagen zum Supermarkt. Dort angekommen schnappen sich die Mädchen jedes einen Kindereinkaufswagen. Während Tochter 1 mit meinem Handy in der Hand die Einkaufsliste abarbeitet, packt Tochter 2 alles in den Wagen, was ihr gefällt. Kollateralkäufe in Form von Teelichtern und Servietten bei Ikea sind nichts dagegen.

Endlich verlassen wir vollbepackt den Supermarkt. Es geht wieder nach Hause. Und ich überlege kurz, ob der Weihnachtsmann dieses Jahr seine Einkäufe nicht mal selbst tätigen kann. Mir ist das echt zu anstrengend. Höchstens in Flip Flops und mit Glühwein. Dann könnten wir nochmal drüber reden.

Der Herbst ist da

Mit schnellen Schritten und prächtigen Farben ist der Herbst angekommen. Tochter 1 übt fleißig ihr Repertoire an Herbstliedern und Laterneliedern und auch Nikolauslieder dürfen nicht fehlen – man muss sich dem Sortiment im Supermarkt ja anpassen und die Weihnachtszeit kommt bekanntlich schneller als man denkt.

Wir haben unseren Apfelbaum abgeerntet. Seitdem essen wir fleißig Apfelmus, Apfelkuchen, Salat mit Apfel drin und was uns sonst noch so einfällt.

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Leider ist die Herbstzeit auch die Erkältungszeit und so lag Tochter 2 mit Fieber flach, selbstverständlich genau in der Woche, in der unsere Kinderärztin Urlaub hatte. Die Vertretung war in einem anderen Stadtteil und so machten wir uns auf die gefühlt weite Reise, hinaus aus der Heimat hinein in… Ja, wie soll ich es nennen. Sagen wir mal so: mich hat jedenfalls keiner vorgewarnt. Im Wartezimmer saßen wir nun also mit Elliot und Aiden und Julian (engl., bitte) und wie sie alle so hießen. Tochter 2 war die einzige ohne Pelzkragen und ihre Lackschühchen hatten wir auch gerade nicht zu Hand 😉 , ich fiel unmöglicherweise durch den kompletten Mangel an Gucci, Prada und Consorten auf. Anschließend schoben wir durch den Regen zurück zur U-Bahn, vorbei an diversen amerikanischen Kaffeehausketten, in denen die Latte Macchiato-Gesellschaft gerade vermutlich ihren Jahrestag feierte, so voll war es dort.

Glücklicherweise war Tochter 2 schnell wieder fit, so dass sie bald mit Tochter 1 an der Alster und in den Parks auf Kastanien-, Haselnuss- und Eichelsammlung ging, die es am Wochenende zu verbasteln gilt. Vorausgesetzt, zum Basteln ist dann noch was übrig. Tochter 2 hat die Ausbeute akribisch sortiert, wieder neu sortiert und auf alle möglichen und unmöglichen Schränke verteilt. Eine Handvoll Kastanien habe ich in der blinkenden Waschmaschine gemeinsam mit ihrem Plastikteller gefunden, unter dem Klavierdeckel waren ein paar Eicheln. Der Herbst hält auch in der Wohnung so manche Überraschungen bereit.

Wie man sich bettet

Wie man sich bettet, so liegt man. Wir liegen des Nachtens nach einem Jahr Reisen wieder ganz entspannt in unserem eigenen Bett. Naja, ganz entspannt ist vielleicht etwas übertrieben, denn ganz entspannt kann man es sicherlich nicht nennen, wenn Tochter 2 wach ist und wir sie zu uns legen, damit sie im gemeinsamen Kinderzimmer nicht auch noch Tochter 1 weckt. Tochter 2 turnt dann – gar nicht müde – mitten in der Nacht durch unser Bett. Es ist ganz erstaunlich, wie sehr das Kind, fest in einen Schlafsack eingepackt, Turnen kann. David Copperfield wäre sicherlich beeindruckt. Dann endlich, schläft sie irgendwann wieder ein. Und zwar, darauf kann man bei kleinen Kindern wetten, quer im Bett. Im Netz kursiert dazu ein lustiges Bild, und allen Menschen ohne Kind sei gesagt, das ist wirklich so. Wir rollen uns, so gut es geht, zusammen und versuchen irgendwie noch etwas Schlaf zu bekommen, bis uns der Wecker aus demselbigen reisst. Aber immerhin, wir liegen in unserem Bett. Bequem, gemütlich, perfekt.

Das war im letzten Jahr nicht immer so. So eine lange Reise durch Europa ist auch eine Reise durch verschiedene Betten. Andere Länder, andere Betten, sozusagen.
In Rom hatten wir ein Bett, da hing die Matratze samt Lattenrost fast bis auf den Boden durch. Man rollte unweigerlich in die Mitte. Und wenn alle Wege ja bekanntlich immer nach Rom führten, führten in diesem Bett alle Wege in die Mitte. Wir haben dem so gut es ging entgegengewirkt und sämtliche Telefonbücher, Stadtpläne, Zeitschriften und sogar einen großen Kochtopf zur Unterstützung des geplagten Lattenrostes unter diesen geschoben.
Auf Sizilien wurde es noch schlimmer, da war die gesamte Unterbettkonstruktion aus Metall, das sich aneinander rieb. Jedes Umdrehen wurde mit einem so lauten Knatschen bedacht, dass Tochter 2, die mit ihrem Babybett bei uns im Schlafzimmer untergebracht war, sofort wach war.
Sowohl in Italien als auch in England hatte man außerdem keine Bettdecke, sondern ein dünnes Laken mit Wolldecke darüber. Man zieht an dem einen, das andere verrutscht, man wühlt sich fest, und so richtig frisch waren die Wolldecken meist auch nicht.
In Schweden hatten wir, welch´ Freude, ein recht bequemes Bett und sogar mit Bettdecke! Das böse Erwachen kam beim Bettwäschewechsel, denn bei diesen Betten war der Lattenrost fest mit der Matratze verbunden. Keine Ahnung welcher Depp sich das hat einfallen lassen, eine bettwäschewechselnde Hausfrau sicher nicht. Zum Wechseln des Lakens musste man nämlich alles anheben, Krafttraining nichts dagegen.
Nun liegen wir also wieder, wie herrlich, in unserem Bett. Und Tochter 2 wird irgendwann die Quittung für ihre nächtliche Ruhestörungen bekommen. Vielleicht, wecken wir sie im Teenageralter Sonntags morgens immer um 8, wenn sie am Abend vorher tanzen war? Irgendwas fällt uns da sicher ein…

Auf der Suche

Ich bin auf der Suche. Nahezu ständig. Und dabei rede ich nicht von der Suche nach dem Sinn des Lebens oder einer neuen Wohnung oder so, sondern nach Dingen.

Ich gebe zu, ich bin nicht die ordentlichste Person unter der Sonne. Gelegentlich rufe ich sogar mein Handy an, weil ich nicht weiß, wo ich es zuletzt hingelegt habe (- nur blöd, wenn man es vorher stumm geschaltet hat). Und als wir während unseres Zwischenstopps in der Heimat einen alten Rucksack vom Dachboden holten und ich darin einen lang vermissten und mittlerweile verloren geglaubten Schlüsselbund wieder gefunden habe, war die Freude groß.

Die Suche jetzt hingegen nimmt andere Dimensionen an: Tochter 2 versteckt Sachen. Pausenlos!
Und hat einen irrsinnigen Spaß dabei. Während ich ihr in Burano (Italien) noch unterstellt habe, den Schnuller in den Kanal geschmissen zu haben, um an diesen wunderschönen Ort noch einmal zurück zu kehren, wie es andere Leute mit Münzen am Trevi-Brunnen in Rom machen, weiß ich nun: sie hat einfach eine helle Freude daran, Sachen wegzuwerfen oder eben zu verstecken. Das etwas fehlt, merken wir meist, wenn wir irgendwo hin wollen. Wo ist ihre Trinkflasche? Wo sind ihre Schuhe? Den Schnuller habe ich unter dem Staudensellerie im Kühlschrank gefunden, die Trinkflasche im Küchenschrank bei den Töpfen, die Schuhe in der Spielzeugkiste. Wenn ich sie frage, wo sie denn wohl mit den Sachen geblieben ist, schaut sie mich mit ihren Kulleraugen an und grinst. Beim Suchen helfen tut sie nicht. Und ich bin weiter auf der Suche.

Auf´m Dorf

Das Leben in unserem kleinen schleswig-holsteinischen Dorf ist anders als das Leben  in unserem „Dorf“ in Hamburg. Tochter 1 kann im Grünen rumspringen und wir sitzen Abends mit einem Glas Wein auf der Terrasse mit Blick auf eine Kuhweide. Alles scheint hier etwas langsamer, das fängt schon beim Internet an, das hier nahezu unauffindbar ist. Glücklicherweise haben wir einen kleinen Fahnenmast im Garten, an dem hissen wir nun abends statt einer Fahne ein Handy und mit etwas Glück kommen wir dann so mit dem Laptop für einen kurzen Moment ins Netz. Entschleunigung auf allen Wegen, selbst der Müll wird hier nur im 2-Wochen-Rhythmus abgeholt. Umso erstaunter waren wir, als wir die Einladung vom örtlichen Sportverein erhielten  (ja, dieses Dorf mit seinen 328 Einwohnern hat tatsächlich einen eigenen Sportverein!) unser Sportabzeichen abzulegen. Moment, unser Was??? Richtig gelesen, unser Sportabzeichen. Mein letztes Sportabzeichen habe ich schätzungsweise in der achten Klasse gemacht. Und nun soll ich 3,70 Meter weit springen,einen Schleuderball mehr als 28 Meter weit werfen und 10 Kilometer in 71 Minuten laufen. Also ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wann ich das letzte Mal überhaupt 10 Kilometer gelaufen bin, ich habe ein sehr schönes Fahrrad. Als ich das unserer Nachbarin erzähle, die immerhin schon 71 ist, lud sie mich ein, mit dem Sportverein doch mal „Nordisch Walken“ zu gehen (stellt euch dies bitte schön norddeutsch ausgesprochen vor). Nein, ich glaube, da trainiere ich mit Tochter 1 lieber weiter hinter verschlossenen Türen und dann, wenn ich soweit bin, werde ich vielleicht mal wieder ein Sportabzeichen machen. Ob es da neben Bronze, Silber und Gold auch eine „Naja-Sie-hat-es-zumindest-versucht-Medaille“ gibt?