Ein bisschen schwedisch

Die schwedische Sprache ist gar nicht mal so einfach, finde ich. Einige Worte sind den deutschen Pendants zwar sehr ähnlich, andere bedeuten hingegen etwas völlig anderes.
Wie wäre es zum Beispiel mit des Norddeutschen liebster Insel? Nein, ich meine nicht Mallorca, sondern Sylt. Sylt ist hier nämlich Marmelade.
Oder ein bisschen Öl zum Abendessen? Nicht zu verwechseln mit Olivolja. Das schwedische Öl ist nämlich Bier.
In einem Café las neulich ein deutscher Papa seinem Sohnemann die Speisekarte vor: Schau mal, hier gibt es Sandwich mit Schinken und Obst („Skinka och ost“). Wäre auch mal eine interessante Mischung, allerdings meint das schwedische Ost den Käse.
Und Kaka? Das ist natürlich der Kuchen.
Und Semester haben hier alle, nicht nur Studenten, das bedeutet nämlich Urlaub.

Zum Glück haben wir auch hier John Glade aka Google Translate dabei. Sicher ist sicher.

Kräftskiva

Kräftskiva, das Krebsessen im August, hat in Schweden Tradition. Das lernt  man spätestens, wenn man die Bullerbü-Bücher liest. Es ist sogar ein richtiges Fest. Es gibt in Salzwasser und Dill gekochte Krebse mit Brot, Käse und ordentlich zu Trinken.
Aber dafür geht man nicht in ein Restaurant. Nein, dieses Fest feiert man zuhause oder mit Freunden. Und so freuten wir uns riesig, als uns unsere lieben Nachbarn hier (die sind wirklich großartig) zu Kräftskiva einluden.

Überall hingen Lampions, der Tisch war bunt geschmückt und wir bekamen bunte Hütchen auf. Mitten auf dem Tisch stand ein riesiger Teller mit vielen kleinen Krebsen – und direkt dahinter eine illustre Auswahl an Aquavit. Denn, so lernten wir, nach jedem Krebs trinkt man einen Schnaps. (Ja, tatsächlich! Na dann Prost!) Und zu jedem Schnaps singt man ein Trinklied. So kamen wir nicht nur in den Genuss eines leckeren Essens sondern auch schwedischer Trinklieder samt Gitarrenbegleitung. Es gab sogar ein Trinklied, das als Melodie “O Tannenbaum”  hatte – der Text ging aber eher so: “Nun trink mal schön, nun trink mal schön…” Wir sangen lauthals mit. Es war herrlich. Nur Tochter 2, die ordentlich Krebs futterte, war das Gesinge etwas suspekt und sie schüttelte immerzu den Kopf, wenn wieder ein neues Lied angestimmt wurde. Tochter 1 hingegen fand es super.

Es war ein wundervoller Abend bei neuen Freunden. Sowas sollten wir vielleicht auch mal in Hamburg einführen. Eine Gitarre haben wir ja schonmal…

Stockholm

Wir haben einen Städtetrip gemacht. Ein Urlaub im Urlaub sozusagen. Die Wahl fiel auf Stockholm. Da wir uns nicht mit ewiger Parkplatzsuche abmühen wollten, sind wir kurzerhand mit der Bahn hergekommen. Was im Hinblick auf mangelndes Stillsitz-Vermögen von Tochter 2 eine gute Idee war. Etwa 3 Stunden haben wir von unserem Haus in Småland in die Hauptstadt gebraucht. Am Bahnhof erreichte uns dann zunächst ein kleiner Kulturschock. Denn: wir wohnen seit nunmehr 2 Monaten fast im Wald mit nur 2 Nachbarn. Am Hauptbahnhof Stockholm mit seinem bunten Treiben haben wir innerhalb von 5 Minuten mehr Menschen zu Gesicht bekommen als in den letzten 2 Monaten zusammen, möchte man meinen. Nun gut, wir kommen aus Hamburg und wohnen dort mittendrin, dennoch ist es etwas anderes, wenn man nicht in einer Stadt zuhause ist, und von den Menschenmassen in eine U-Bahn getrieben wird, ohne zu wissen, in welche Richtung diese denn fährt.
Die Suche nach einer Unterkunft für eine Familie war gar nicht so einfach, Familienzimmer sind rar, die Stadt umschwärmt und wir waren mit 4 Wochen Vorlauf relativ spät dran. Gern hätten wir im ehemaligen Gefängnis auf Langholmen oder dem Segelschiff af Chapman übernachtet, die mir von einer lieben Freundin empfohlen wurden. Leider waren die jedoch ausgebucht. Schließlich fanden wir ein Hostel/Hotel unweit des Bahnhofes im In-Stadtteil Södermalm, wo wir noch ein Familienzimmer ergattern konnten  – Und man muss sagen, so ein Weitwinkelobjektiv ist doch was Tolles. Auf der Website des Hostels/Hotels war das Zimmer locker dreimal so groß wie in Natura. Ach übrigens: der Unterschied zwischen Hostel und Hotel liegt hier allein darin, dass man im Hostel sein Bett selbst beziehen muss und die Handtücher nicht täglich gewechselt werden; und im Preis natürlich. Aber ich will nicht meckern, die Lage ist optimal und für 3 Nächte schaffen wir es auch auf 14 Quadratmetern. Am ersten Abend haben wir nur einen kleinen Spaziergang gemacht und sind gleich zwischen diverse Fußballfans geraten, die laut gröhlend grüne und weiße Leuchtraketen abgefeuert haben. Ich vermute mal, dass ihre Mannschaft gewonnen hat? Wir sind dann doch lieber lecker essen gegangen.
 Am nächsten Tag haben wir typisches Touristenprogramm gemacht, gemeinsam mit einem Freund meines Mannes, den wir hier getroffen haben: Ab mit der Fähre nach Djurgården. Der Blick von der Fähre ist wirklich toll!
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Und dann auf Djurgården ins Vasa-Museum. Das dort ausgestellte Kriegsschiff, die Vasa, ist ja im 17. Jahrhundert auf seiner Jungfernfahrt gesunken und erst Mitte des 20. Jahrhunderts gehoben worden.
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Tochter 1 fand das Ganze unheimlich spannend, bis wir zu einem Raum kamen, in dem die Gebeine der auf der Vasa Ertrunkenen ausgestellt wurden. Nein, das war nicht das Richtige für das Gemüt unserer Großen. Zum Glück ist das Kinder-Museum Junibacken mit vielen Astrid Lindgren-Geschichten gleich nebenan, so konnten wir gemeinsam mit Pippi Langstrumpf und Karlsson vom Dach die Gedanken an die Knochen verscheuchen. Tochter 2 lauschte derweil dem schwedischen Kinderanimationsprogramm und war glücklich mit einer Handvoll Salzstangen. An Tag 2 sind wir zum königlichen Schloss gewandert und haben uns die Wachablösung angesehen. Fazit von Tochter 1: die Marschmusik  war toll, aber die so richtig stillgestanden haben die Wachen nicht. Leider war es  nicht so warm, sonst wären wir bestimmt noch ins Strandbad gegangen, das hier mitten in der Stadt ist. So haben wir uns dann die Altstadt angesehen – und tatsächlich einen Stadtbummel gemacht ohne etwas zu kaufen!
Am dritten und zugleich leider schon letzten Tag in dieser tollen Stadt sind wir noch einmal nach Djurgården gefahren und haben Skansen besucht, das erste Freilichtmuseum der Welt. Hier wurden fünf Jahrhunderte Schweden nachgebaut. Viele der kleinen Häuser kann man betreten, beim Bäcker echtes Brot kaufen,
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dem Schuster über die Schulter sehen und beim Glasbläser die feinen Arbeiten bestaunen.  Die jeweiligen „Bewohner“ sind alle zeitgemäß angezogen, was insbesondere Tochter 1 ganz großartig fand. Außerdem gibt es einen kleinen Tierpark mit einer illustren Auswahl an Tieren. Über Seelöwen
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und Otter, Kühe und Schafe, Hühner, Hasen, Papageien bis hin zu Elchen (endlich Elche!)
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ist dort alles vertreten.
Und dann hieß es auch schon: ab zum Bahnhof und Rückreise nach Småland. Die Tage in Stockholm gingen unheimlich schnell vorüber, ich habe es nicht einmal geschafft, Postkarten zu kaufen. Aber wir kommen bestimmt nochmal wieder. Irgendwann.

Wandern in Skurugata

Gar nicht weit von unserem Häuschen hier liegt das Naturreservat Skurugata, eine große Felsformation mit einem 800 Meter langen Canyon. Unsere Nachbarn empfahlen uns eine Wanderung durch die Schluchten von Skurugata und hinauf auf den etwas über 300 Meter hohen Berg Skuruhatt, von dem man eine tolle Sicht über Småland haben soll. Wir packten uns also etwas Proviant ein, schmissen uns in wandertaugliche Schuhe und machten uns auf den Weg. Nach einem kurzen Blick auf die „Sie-befinden-Sich-Hier“-Karte entschieden wir uns dafür, erst den Blick vom Skuruhatt zu genießen und dann durch die Schluchten zu wandern. Gesagt, getan. Tochter 2 kletterte in die Kraxe und wir wanderten los.
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Vorbei an meterhohen Kiefern und Birken, vorbei an Blaubeerbüschen kamen wir den Schildern folgend schon bald zum Skuruhatt. Man konnte wirklich weit gucken – auch wenn die beeindruckende Aussicht die Töchter nicht so sehr interessierte wie der mitgebrachte Proviant. Wir folgten weiter den Schildern nach Skurugata, da kamen uns die ersten anderen deutschen Touristen entgegen. Die erkennt man hier meist leider all zu gut. Was vor ein paar Jahren noch die weißen Tennissocken in Ledersandalen waren, sind jetzt die Komplett-Kollektionen wahlweise von Jack Wolfskin (die Erwachsenen), Jako-o (die Kinder) oder alles von Tchibo, dazu dann gern Trekkingsandalen. Die finde ich persönlich ja ganz fürchterlich, aber über Geschmack lässt sich ja zum Glück nicht streiten.
Wir wanderten nun also Richtung Skurugata, da erzählte uns ein Junge, dass es dort 3 Schluchten gäbe. Die erste sei „total normal“, die zweite sehr kalt und die dritte habe ganz viele kleine Höhlen. Tochter 1 war ganz aufgeregt und wollte sich das unbedingt ansehen. Wir kamen zur ersten Schlucht.
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Ab dem Moment war ich mir nicht mehr sicher, ob man das noch Wandern nennen konnte, was wir machten. Oder war es doch schon Bergsteigen? Ich glaube, die Grenzen sind dort fließend. Wir kletterten über Steinbrocken, Felsen und umgestürzte Bäume.
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Erst runter in die Schlucht, dann wieder hoch, das ganze durch eben die drei Schluchten. Uns kamen immer mehr Menschen entgegen, zum Teil in Ballerinas oder mit Kleinkindern auf dem Arm. Ob es hier auch eine Patrouille gibt, die abends das Gelände nochmal abgeht und die Touristen einsammelt, die irgendwo auf der Strecke steckengeblieben sind, ähnlich der Pistenwache beim Skifahren? Wir mussten jedenfalls nicht gerettet werden, Tochter 1 ist hervorragend selbst geklettert und Tochter 2 hat das ganze von ihrer Kraxe aus staunend beobachtet, mein Mann hat die besondere Fracht die ganze Zeit sicher getragen und ich habe (leicht verwackelte) Fotos gemacht.

Canoe Camping

Mein Mann und Tochter 1 waren mit Kanu und Zelt unterwegs. Hier sein Bericht:

„Unser Haus in Småland steht mitten in der Natur und nur einen Steinwurf entfernt findet man die echte Wildnis. Hier hat der Mensch noch nicht eingegriffen und die Natur darf so richtig Natur sein.

Wir sind oft für einen Tag mit unserem Kanu auf den Seen ringsum gefahren. Nun wollten Tochter 1 und ich aber mal eine Bootstour mit Übernachtung im Zelt und allem Drum und Dran machen – in der echten Wildnis eben. Wir haben uns dafür den Oberlauf des Flusses Stångån ausgesucht. Dieser Fluss bietet alles, was das Kanutenherz begehrt: unberührte Natur, Einsamkeit, glasklares Wasser, spritzige Stromschnellen und ruhige Abschnitte zum Bummeln.

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Das Canoe Camping hat den großen Vorteil, dass man Unmengen an Gepäck mitnehmen kann um es sich im Lager richtig gemütlich zu machen – wenn man diese Berge an Gepäck auch tragen möchte. Denn die Portage, also das Umtragen von Boot und Gepäck an nicht befahrbaren Flussabschnitten, gehört zum Canadierfahren wie die Mückenstiche zum Schwedenurlaub.

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Eine Portage kann beschwerlich sein. Gefühlte Ewigkeiten trägt man schwere Lasten über Stock und Stein. Je länger man sich aber durch Busch und Sumpf kämpfen muss, desto näher kommt man der Wildnis und lässt die Zivilisation hinter sich zurück.

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Unser Essen haben wir auf dem Feuer gekocht, was für Tochter 1 zwar ein alter Hut ist, aber dennoch jedes Mal einen besonderen Reiz hat. Das Trinkwasser kam nicht aus der Leitung sondern aus dem Fluss – das war für sie eine neue Erfahrung. Und es war für sie zumindest unerwartet, dass das Geschäft, das es zwangsläufig zu verrichten galt, auf einer selbstgebauten Latrine verrichtet wurde.

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An der Ausstiegstelle konnte dann die andere Häfte der Familie zwei verwegene, nach Abenteuer „duftende“ Kanuten in Empfang nehmen. Wobei Tochter 2 mit ihren 14 Monaten wenig Verständnis dafür hatte, dass sie diesmal nicht mit auf Expedition kommen konnte. Aber beschlossene Sache: Im nächsten Sommer wird sich die komplette Familie mit zwei Booten in die Wildnis wagen. Dann können wir alle gemeinsam diese Augenblicke genießen.“

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